Deutsche Meisterschaften
DM Schießsport München: DSB-Stars holen die Titel
Bekannte Namen standen bei der Deutschen Meisterschaft Sportschießen in Garching-Hochbrück am Montag, 24. August, auf dem Siegertreppchen in der Finalhalle: Oliver Geis verteidigte den Titel mit der Schnellfeuerpistole, die Duos Anna Janßen & Maximilian Ulbrich (Luftgewehr) sowie Celina Becker & Michael Schwald (Luftpistole).

Luftgewehr Mixed: Titelverteidiger gewinnen das „Familientreffen“
Zu einem echten „Familientreffen“ kam es im Luftgewehr Mixed-Finale: Anna Janßen, die mit Standardpartner Maximilian Ulbrich (SG Wilzhofen) schoss, stand nur wenige Meter entfernt von ihrer Zwillingsschwester Franka, die an ihrer Seite Alexander Thomas (SSG Kevelaer 2) hatte, Ehepaar Hanna und Daniel Bühlmeyer (SV Bodenheim) waren von der Partie, zudem noch Hannah Wehren & David Koenders, das zweite Duo der SSG Kevelaer. Insgesamt gaben sich acht Bundesligaschützen in den vier Duos die Ehre: „Das war definitiv etwas Besonderes: Zweimal Kevelaer im Finale hat mich gefreut. Die ganze DM ist ein schönes familiäres Event, das hat heute noch etwas mehr Spaß gemacht, gleichzeitig war es schwieriger, weil ich sehr aufmerksam geguckt habe, was die anderen geschossen haben“, so die gebürtige Kevelaererin Anna Janßen. Die konnte vor allem zu Beginn auf ihren bärenstarken Partner Ulbrich vertrauen, der bei seinen ersten 15 Finalschüssen hervorragende 158,9 Ringe (10,6 im Schnitt) auf die Scheibe brachte, sodass zu diesem Zeitpunkt der Vorsprung auf die Bühlmeyers bereits 3,4 Ringe betrug. Davon zehrten die Olympia-Vierten von Paris 2024, die den Titel sicher mit 1,8 Ringen Vorsprung nach Hause brachten: „Nach der WM-Qualifikation war bei allen so ein wenig die Luft raus. Die DM ist als Startschuss für den Saisonendspurt zu sehen, ich hatte ein paar gute und ein paar nicht so gute Punkte, aber Mixed hat richtig viel Spaß gemacht“, so Janßen danach, ehe Ulbrich lachend ein Geheimnis verriet: „Sie hat sich heute in der Frühe sehr gefreut, als ich ihr die Rückennummer gegeben habe und dann gesagt: Endlich wieder das gelobte Land auf dem Rücken!“ Rang drei in diesem „Familientreffen“ sicherten sich Franka Janßen & Alexander Thomas.
Luftpistole Mixed: Becker & Schwald komplettieren Medaillensatz
Celina Becker und Michael Schwald (ESV Weil am Rhein) hatten bei dieser DM bis dato jeweils Silber und Bronze gewinnen können, mit dem Mixed-Finale komplettierten sie den Medaillensatz. Denn das Duo war vom ersten Schuss weg im Finale, Becker nannte einen Grund: „Dieses Finale war ich nicht so nervös wie im Einzelfinale, weil mich Michael sehr gut unterstützt hat.“ Nachdem Becker im ersten Fünfer-Durchgang die beste Serie aller acht Finalschützen aufwies (50,1), gab im Anschluss Schwald den Ton an. Vor allem seine 51,7 Ringe in der zweiten Fünferserie waren beeindruckend und ließen den Vorsprung auf komfortable 2,4 Ringe wachsen. Auch in der Folge war es in erster Linie Schwald, der glänzte und das, obwohl der nicht „Mr. Cool“ war: „Ich war schon die meiste Zeit nervös, aber zwischendurch sind mir die bombastischen Innenzehner gelungen, sodass wir uns weit absetzen konnten.“ Das half, um den umjubelten Titel einzufahren und den Medaillensatz bei der DM 2026 zu komplettieren: „So wusste ich, eigentlich nur gefühlvoll auf die Trefferfläche ist ausreichend, dann fliegen keine Achter raus.“ Ehepaar Monika & Thomas Karsch (Zu den Linden 1851 Regensburg) jubelte auch, denn es wurde von Tochter Lina zu Bronze gecoacht.
Schnellfeuerpistole Männer: Erbarmen, zu spät: Die Hessen kommen
Das Who is Who der deutschen Schnellfeuer-Szene war im Finale der besten acht Schützen versammelt: Der Olympia-Vierte Florian Peter war mit 591 Ringen Erster der Qualifikation, gefolgt von Rio-Olympiasieger Christian Reitz (588) sowie den Nationalkadern um Europameister Oliver Geis, Emanuel Müller (beide 583) und Fabian Otto (586). Demnach war nicht nur Spannung, sondern auch hochklassiger Sport in der Finalhalle zu erwarten. Und die Athleten enttäuschten das zahlreich erschienene Publikum nicht: Europameister Geis (SV 1935 Kriftel) benötigte eine Serie (3 Treffer) um in den Wettkampf zu kommen, danach rollte es aber beim 35-jährigen Titelverteidiger, denn er setzte sich mit der ersten perfekten Fünferserie in diesem Finale an die Spitze. Das Verfolgerfeld war dicht gedrängt und mit nur einem Hit weniger auf den Fersen. Doch Geis blieb stabil und hatte immer die passende Antwort: Vier Vier-Hit-Serien schoss er in Folge und sah schon wie der sichere Sieger aus, doch ein Schütze hielt massiv dagegen: Aaron Sauter (SV Falken-Gesäß) schoss sensationelle zwei Fünfer in Folge und verkürzte bis auf einen Hit (24:23). Die anschließende Fünf von Geis schien die Vorentscheidung zu bedeuten, da Sauter „nur“ drei Hits landen konnte. Doch Geis bot mit lediglich zwei Treffern in der finalen Serie noch den Strohhalm, den der Herausforderer aber nicht ergreifen konnte, da er lediglich einmal traf. „Ich bin mit meiner Leistung zufrieden und konnte meinen Stiefel bis auf die letzte Serie durchziehen. Da hatte ich Druck, wusste, dass Aaron da ist. Dann kam das Klatschen der Zuschauer dazu, das lässt keinen kalt, und dann habe ich ein wenig die Kontrolle verloren“, analysierte Geis im Nachgang den Wettkampf und gratulierte seinem Gegner: „Aaron hat eine Wahnsinnsleistung gezeigt und mir enormen Druck gemacht. Nach meiner letzten Serie habe ich nochmals nachgeladen, weil Fünfer kann er ja…“ Das trifft aber auch Geis zu, der nach EM-Titel und Weltcupsieg erneut Deutscher Meister wurde: „Das ist auf jeden Fall eines meiner besten Jahre, ich habe eine gute Phase und hoffe, dass es noch weitergeht. Am besten mit einer WM-Medaille.“ Den Hessen-Triumph machte Florian Peter (SV St. Hubertus Klein-Welzheim) als Dritter perfekt, selbst Platz vier (Reitz) und fünf (Otto) gingen in dieses Bundesland.
Luftpistole Mixed Junioren: Rekord-Vorsprung für neue Titelträger
Wenn ein Team Deutscher Meister wird mit knapp 14,6 (!) Ringen Vorsprung, dann ist der Titel verdient und mehr als souverän. Dies gelang den Mecklenburgern Finja Schlünz & Tjark Buchwald (SV Vier Tore Neubrandenburg) in beeindruckender Manier. Bereits nach den ersten zehn Finalschüssen – je fünf pro Teammitglied – betrug der Vorsprung auf die späteren Vizemeister Louisa-Philline Börner & David Obenaus (SGi Frankfurt/Oder) 2,9 Ringe. Nach und nach wuchs der Vorsprung ins Zweistellige an, weil Buchwald sehr gut und beständige Zehner schoss und Partnerin Schlünz stabil blieb und keine großen „Ausreißer“ nach unten hatte. Dementsprechend glücklich war das Sieger-Duo: „Es war aufregend, aber erfolgreich“, so Schlünz und Buchwald ergänzte: „Ich hätte damit heute Morgen überhaupt nicht gerechnet, mit dieser Leistung das Finale auszuschießen.“ Platz drei ging an Mia Klaproth & Leopold Kaiser (SV Spachbrücken).

Luftgewehr Mixed Junioren: Ott & Eichenseer souverän zum Titel
Die Qualifikation im Finale zu bestätigen, das klappt nicht immer und ist die große Kunst im Schießsport: Alyssa Ott & Luis Eichenseer (Rot-Weiß Schützen Franken 1), die sich mit 628,4 Ringen in der Qualifikation mit vier Ringen Vorsprung an die Spitze setzten, gelang dies eindrucksvoll. Im Finale der besten vier Teams hielten zu Beginn noch Marie Billion & Cedric Valera-Soldan (SSG St. Seb. Balve) mit – nach der ersten Fünferserie für alle Athleten hieß es 103,8:103,8 – danach schoss das bayerische Duo aber wie ein Uhrwerk und baute den Vorsprung kontinuierlich aus. Nach dem letzten Finalschuss waren es 4,5 Ringe auf die Verfolger, was auch daran lag, dass Ott wusste, was sie zu tun hat: „Beim Vorkampf bin ich vom Stützarm freier, weil ich einfach lockerer bin. im Finale mit der Anspannung muss ich das Gewehr mehr zu mir bekommen. Jetzt weiß ich, wie.“ Und da auch Eichenseer wusste, wie es geht, stand der Sieg nie in Frage und ist doch immer wieder etwas Besonderes: „Es ist immer etwas Schönes, zu gewinnen und Deutscher Meister zu werden. Jedes Finale, egal, ob Bayerische oder Deutsche, gibt einem wertvolle Erfahrung, die man mitnehmen kann für größere internationale Wettkämpfe wie EM oder WM. Das wird für die zukünftige Karriere definitiv weiterhelfen.“ Das zweite Rot-Weiß Team, Theresa Schnell & Tim Lehner, rundete den Erfolg als Bronzemedaillengewinner ab.
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