Deutsche Meisterschaften
DM Sportschießen München: Packende Duelle begeistern
Großkampftag bei der Deutschen Meisterschaften Sportschießen in München: Allein in den olympischen Disziplinen fanden neun Finals bei Frauen, Männern und Juniorinnen & Junioren statt. Dabei gab es erneut bekannte Namen, die sich in die Siegerlisten eintragen konnten, wie Robin Walter (Luftpistole), Sven Korte (Skeet) oder Michelle Skeries (Sportpistole).

Luftpistole Männer: Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Olympiateilnehmern
Das Finale der Luftpistolen-Männer wurde mit Spannung erwartet, schließlich stand auch das zur WM-Nominierung vorgeschlagene Trio Robin Walter, Christian Reitz und Paul Fröhlich sowie Michael Schwald, Sieger der WM-Qualifikation, der aber auf einen WM-Start verzichtet, an der Schießlinie. Dieses Quartett bestimmte schließlich auch den Wettkampf, wobei sich vor allem die Olympia-Teilnehmer von Paris 2024, Walter und Reitz, zur Freude der Zuschauer ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit ständigen Führungswechseln lieferten. Nach der ersten Fünferserie führte Walter mit 0,1 Ringen, nach fünf weiteren Schüssen Reitz mit 0,1 Ringen. Und so ging es immer weiter, ehe sich der Olympia-Sechste Walter mit den Schüssen 19 und 20 auf 1,1 Ringe absetzen konnte. Der Konter folgte prompt, der Olympia-Fünfte Reitz machte mit den nächsten zwei Schüssen wieder 0,8 Ringe gut, sodass die letzten beiden Finalschüsse die Entscheidung bringen mussten: In diesen holte Reitz nur noch 0,1 Ringe auf, damit blieb Walter mit 0,2 Ringen Vorsprung (242,2:242,0) vorne und verteidigte erfolgreich seinen Titel aus dem Vorjahr und machte gar einen DM-Hattrick perfekt: „Es ist cool, zum dritten Mal in Folge gewonnen zu haben, das ist eine schöne Bestätigung für mich. Ich habe nicht immer genau gewusst, wie die Abstände waren, aber man weiß, dass es eng ist. Aber letztlich konzentriert man sich auf sich und seine Leistung.“ Platz drei sicherte sich Schwald.
Sportpistole Frauen: Michelle Skeries nimmt die Glückwünsche an
In den vergangenen Jahren gab es immer das gleiche Bild: Michelle Skeries (SGi Frankfurt/Oder) war dabei, musste am Ende aber stets den anderen gratulieren. Doch dieses Mal lief alles anders, denn die 30-Jährige gewann erstmals bei den Frauen den DM-Titel: „Es ist schön, ich kann es noch gar nicht richtig realisieren. Es tut einfach gut, der Titel ist etwas ganz Besonderes, ein schöner Tag heute.“ Dafür sorgte sie selbst, denn zu Beginn des Finals war sie „voll“ da und lag nach den ersten drei Fünferserien (12 Treffer) deutlich in Front. Auch wenn sie danach ein kleines Tal durchschritt („Zwischendrin hatte ich einen kleinen Hänger!“), warf sie das nicht aus der Bahn, wie sie im Anschluss sagte: „Ich bin froh, dass ich bei mir geblieben bin, dass ich weitergearbeitet und nicht die Fassung verloren habe.“ Die Konkurrenz konnte an diesem Tag mit Skeries nicht mithalten, auch Doreen Vennekamp (SV Kriftel) nicht, die sich im Verlaufe des Finals immer weiter nach vorne arbeitete und vor der letzten Serie drei Treffer Rückstand aufwies: „Man fängt dann doch an zu rechnen. Aber ich wollte noch eine gute Serie draufschießen“, so Skeries zum „Kopfkino“. Sie brachte den Sieg nach Hause und meinte abschließend: „Es tut einfach gut, dass ich das jetzt in die kleine Pause und in die WM-Vorbereitung mitnehmen kann.“ Und natürlich nahm sie auch gerne die Glückwünsche der Konkurrentinnen, u.a. der drittplatzierten Sandra Reitz (Kgl. Priv. SGi Straubing) an, ein Gefühl, dass Skeries so noch nicht kannte.
Skeet Frauen: Aller guten Dinge sind vier
Aller guten Dinge sind drei! Klar, kennt jeder. Wahrscheinlich auch Annabella Hettmer (WC Wiesbaden), die genau dieses Kunststück bei den Juniorinnen in den vergangenen Jahren bei der DM geschafft hatte. Nun erweiterte die 20-Jährige dieses Sprichwort und erhöhte auf Vier. Gleich bei ihrem ersten DM-Start bei den Frauen bezwang sie die nationale Elite und verwies Titelverteidigerin Johanna Wedekind (WTC Wolfsburg) und Valentina Umhöfer (FV SSZ Suhl) auf die Plätze zwei und drei: „Der vierte DM-Titel in Folge ist verrückt, das hätte ich niemals geglaubt“, sagte sie ungläubig danach, weil sie mit deutlich weniger zufrieden gewesen wäre: „Ich bin in das erste Jahr bei den Frauen nicht so gut gestartet, es lief nicht so gut. Es ist ein echter Schock für mich selbst und ich kann es gar nicht glauben, dass ich überhaupt eine Medaille hatte, als wir nur noch zu dritt dastanden. Ich habe es nur noch als Training geschossen aus Spaß.“ Doch es wurde mehr als Bronze und Silber, obwohl Wedekind mächtig Druck machte: „Das habe ich gemerkt, aber habe mir gedacht: Es kann ja nichts mehr schiefgehen, Silber ist ja auch okay.“ Und der vierte DM-Titel in Serie erst recht.

Skeet Männer: Sven Korte entscheidet episches Gold-Duell
Mit Spannung wurde das Skeet-Finale der Männer erwartet, denn das zur WM vorgeschlagene Trio Sven Korte, Felix Haase und Christopher Honkomp war am Start, der Qualifikations-1. Tilo Schreier sowie die Herausforderer Linus Wienker und Tim Krause. Es entwickelte sich ein packendes Finale, das Korte so zusammenfasste: „Wir haben heute alle super Leistungen gebracht, alle kämpfen müssen und das war internationales Niveau.“ Das traf vor allem auf das Trio Korte, Wienker und Honkomp (alle SSC Schale) zu, die im Gleichschritt Scheibe und Scheibe vom Himmel holten und nach 50 Schuss allesamt 47 Treffer aufwiesen. Honkomp musste sich aufgrund des schwächeren Qualifikationsergebnisses mit Bronze zufriedengeben, das Duo Korte & Wienker kämpfte um den DM-Titel. Dabei legte Korte stets vor („Ich glaube, ich hatte dadurch einen kleinen Vorteil!“), Wienker zog nach. Und der Außenseiter hatte zwei „Match-Schüsse“, als Korte seinen 60. Schuss daneben setzte und seinen fünften im Stechen. Doch beide Male verfehlte auch Wienker diese Scheibe, sodass schließlich der 16. (!) Stechschuss die Entscheidung brachte: Wienker verfehlte diese, sodass Korte seinen Titel erfolgreich verteidigte und zum dritten Mal bei den Männern ganz oben stand und sich über das Zustandekommen freute: „Ein bisschen gekitzelt werden möchte man doch schon. Wir haben uns alle gegenseitig gut gekitzelt und uns nichts geschenkt.“ Lange hätte das Finale aber nicht mehr andauern dürfen, denn „die Munition wäre bald knapp geworden“, so der Deutsche Meister.
Skeet Juniorinnen & Junioren: Isis Niels & Magnus Erdmann siegen
Parallel zu den Finals der Frauen und Männer kämpften die Juniorinnen und Junioren um den DM-Titel. Bei den Juniorinnen setzte sich die stärkste der Qualifikation, Isis Niels (WTC Bad Salzuflen, 119 Einstellung des dt. Rekords), auch im Finale durch und hatte am Ende mit 47 Treffern drei mehr als Carlotta Wahl (FV SSZ Suhl). Bronze ging an Hermine Philipp (SV Niedergrunstedt), und Bundestrainerin Katharina Bechtel lobte: „Das Finale der Juniorinnen war insgesamt stark geschossen, die drei Medaillengewinnerinnen haben sich nichts geschenkt und gezeigt, was geht.“ Das traf definitiv auch auf die Junioren zu, bei denen die Reihenfolge Magnus Erdmann (FV SSZ Suhl), Vladislav Poddubskiy (WC Wiesbaden) und Maximilian Seibel (SSC Schale) lautete, was die Bundestrainerin freute: „Es sind alles NK1-Sportler – das lässt hoffen. Die Jungs machen Spaß, sie können alle fighten. Schön wäre es, wenn sie das manchmal auch in den Vorkämpfen zeigen würden.“
Für Bechtel steht nun noch die Aufgabe an, ihr Nachwuchs-Team für die Europameisterschaft in Malakasa/GRE (27. September bis 13. Oktober) zu nominieren, denn die DM floss noch in die Bewertung ein: „Die Qualifikation zur EM der Junioren ist abgeschlossen. Da sind alle Ergebnisse des Jahres wie Jugendverbandsrunde, Ranglisten und jetzt die DM integriert. Mitte nächste Woche möchte ich den Nominierungsvorschlag unterbreiten.“
Luftpistole Junioren: Lucas Struck mit erfolgreicher Achterbahnfahrt
Nach einer wahren Achterbahn der Gefühle gestand Lucas Struck (SGi Frankfurt/Oder): „Ich dachte, es wird nur der zweite Platz.“ Er legte im letzten Finalschuss bei 0,4 Ringen Vorsprung auf Maximilian Mock (Geißkopfschützen Habischried) nur eine 9,3 vor, doch sein Konkurrent konnte dies nicht ausnutzen und brachte nur eine 8,6 auf die Scheibe. Und somit feierte Struck seinen zweiten DM-Einzeltitel, der zu Beginn des Wettkampfs eigentlich nie in Frage stand: „Ich kam ganz gut rein!“ Damit untertrieb er deutlich, denn er erarbeitete sich einen Vorsprung von über drei Ringen, der dann jedoch aufgebraucht wurde: „Die zwei Achten waren unglücklich, bei der Sieben stand ich zu lange und habe angefangen zu zittern.“ Dritter wurde Tjark Buchwald (SV Vier Tore Neubrandenburg), der zwischenzeitlich in dieser Achterbahnfahrt auch die Führung übernommen hatte.
Sportpistole Juniorinnen: Franziska Thürmer siegt im Shootoff-Krimi
Der Start in das Finale missriet Franziska Thürmer (SV Rickensdorf) komplett: 0 Treffer in der ersten Fünferserie, 1 Treffer in Serie zwei. Doch die 20-Jährige steigerte sich und stabilisierte ihre Trefferquote. Auch das übrige Teilnehmerfeld hatte so seine Schwierigkeiten, sodass es insgesamt vier Shootoffs gab. Das letzte entschied die Medaillen, denn Thürmer und Nele Borrmann (TSV Ötlingen) setzten sich gegen Luisa Strähle (TSV Ötlingen) durch, die Bronze gewann. In der letzten Fünferserie setzte Thürmer dann zwei Treffer und konnte somit ihren Titel aus dem Vorjahr verteidigen, während Borrmann ihr Ergebnis nicht verbessern konnte: „Die Titelverteidigung macht mich sehr glücklich. Es war anstrengend, es war knapp. Der Schlüssel zum Erfolg war ganz viel Training, denn von der Kraft ging es noch, auch wenn es wackelig war.“
Luftgewehr Juniorinnen: Xenia Mund gewinnt hochklassiges Finale
Absolut hochklassig verlief das Finale der Luftgewehr-Juniorinnen, was auch nicht verwunderlich war, denn zahlreiche Kaderschützinnen waren an der Schießlinie. Den besten Start erwischte Finnja Rentmeister (SSG Kevelaer), die nach den ersten zwei Fünferserien mit 104,7 Ringen vorne lag, dicht gefolgt von Annabelle Lotter (104,4 – Rot-Weiß Schützen Franken), Xenia Mund (104,1 – Rot-Weiß Schützen Franken) und Theresa Schnell (103,8 - Rot-Weiß Schützen Franken). Das Quartett machte letztlich auch die Entscheidung unter sich aus, wobei sich Mund und Lotter zunächst in der Führungsrolle abwechselten. Die entscheidenden Schritte bzw. Schüsse zum Titel landete Mund schließlich gegen Ende, als sie sich mit 10,6 und 10,7 einen Vorsprung gegenüber Lotter herausschoss. Vor dem finalen Schuss hatte sie satte 2,3 Ringe Vorsprung: „Ich wusste natürlich, wie viel Vorsprung ich habe. Dann kam das Raunen, und ich dachte, das war kein guter Schuss von Annabelle. Aber ich hätte mehr bei mir bleiben müssen“, meinte Mund danach. Doch ihre 9,5 - ihr schwächster Finalschuss - reichte locker zum Triumph, der sich schon früh angedeutet hatte: „Bereits in der Probe hatte ich dicke Zehner, die mir Selbstbewusstsein gegeben haben.“ Bronze ging an Theresa Schnell.
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