Deutsche Meisterschaften

DM Sportschießen München: Valentina Boll gewinnt Kehat Schor Gedächtnispreis

28.08.2026 15:09

Zum mittlerweile vierten Mal wurde bei der Deutschen Meisterschaft in München ein ganz besonderer Preis vergeben, zum vierten Mal ging dieser an eine junge Schützin: Valentina Boll (Sportschützen Westallgäu) war mit starken 577 Ringen die Beste im 3x20 Kleinkaliber-Dreistellungskampf der weiblichen und männlichen Jugend und wurde somit auch mit dem Kehat Schor Gedächtnispreis ausgezeichnet.

Foto: BSSB / Stolz präsentiert Valentina Boll den Kehat Schor Gedächtnispreis im Beisein von DSB-Präsident Hans-Heinrich von Schönfels, Generalkonsulin Talya Lador-Fresher und Michael Rohar, Präsident des israelischen Verbandes.
Foto: BSSB / Stolz präsentiert Valentina Boll den Kehat Schor Gedächtnispreis im Beisein von DSB-Präsident Hans-Heinrich von Schönfels, Generalkonsulin Talya Lador-Fresher und Michael Rohar, Präsident des israelischen Verbandes.

2023 Jahren hatte der Deutsche Schützenbund diese Trophäe im Gedenken an den Trainer der Sportschützen der israelischen Olympiamannschaft von 1972 in München erstmals vergeben. Kehat Schor gehörte zu den Opfern des schändlichen Attentats auf die israelischen Sportler bei den Olympischen Spielen in München, und der Sieger oder die Siegerin des Gewehr-Dreistellungskampfes der Jugend erhält den Preis: „Wir wollen mit diesem Preis das Gedenken an unseren israelischen Schützenbruder und an das schreckliche Ereignis von 1972 aufrechterhalten. Wir verstehen ihn als Symbol kompromisslosen Widerstands gegen jede Form von Antisemitismus, Rassismus, Hetze und Gewalt. Und diese Haltung wollen wir an die jungen Menschen weitergeben“, nannte DSB-Präsident Hans-Heinrich von Schönfels die Beweggründe für die Installation des Preises.

Von den 117 Mädchen und 71 Jungen war nach dem letzten Schuss Valentina Boll mit 577 Ringen ganz vorne, dabei glänzte sie vor allem liegend (2x99 Ringe). Zweite wurde Irmgard Holme (SSG Mittelbayern) mit drei Ringen Rückstand, Rang drei ging an Elias Buinger (Rot-Weiß Schützen Franken) mit 573 Ringen.

Dem Wettkampf und der Siegerehrung wohnten zwei ganz besondere Gäste bei: Talya Lador-Fresher, die israelische Generalkonsulin für Süddeutschland, und Michael Rohar, Präsident des Israelischen Schießsportverbandes, zollten Boll, den anderen jungen Athletinnen und Athleten ihre Anerkennung sowie lobten das Engagement des DSB: „Die Wunde von 1972 ist bis heute nicht verheilt. Das ‚Massaker von München‘ hat sich tief in das kollektive Gedächtnis Israels eingegraben. Umso wichtiger ist es, dass der Deutsche Schützenbund ein Zeichen setzt und in diesem Jahr zum vierten Mal den Kehat Schor Preis verleiht“, so die Generalkonsulin.

Foto: BSSB / Gruppenbild mit der Siegerin, den Ehrengästen sowie Vertretern des DSB-Präsidiums und der Landesverbände.
Foto: BSSB / Gruppenbild mit der Siegerin, den Ehrengästen sowie Vertretern des DSB-Präsidiums und der Landesverbände.

Wie wichtig dieser Gedächtnispreis ist, zeigte auch die Antwort der 16-jährigen Siegerin Valentina Boll, die völlig geplättet war: „Ich wusste von dem Pokal, aber ich wusste nicht genau, worum es dabei geht. Nun kenne ich aber auch die Geschichte dahinter und es ist eine Ehre, diesen Preis gewonnen zu haben; auch, weil fortlaufend und langfristig daran erinnert wird. Es ist nicht nur eine Medaille, sondern ein besonderer Preis, der auch für den Zusammenhalt steht.“

Michael Rohar, Präsident der Israel Shooting Federation, war wie bei den drei ersten Auflagen erneut anwesend und sagte: „Besonders berührt mich, dass diese Trophäe bereits zum vierten Mal an eine junge Frau verliehen wird. 1972 waren gerade einmal vier Frauen bei den Olympischen Spielen im Schießsport vertreten. Heute sind Frauen und Männer zahlenmäßig gleich vertreten. Das ist ein großartiges Zeichen dafür, wie sich unser Sport weiterentwickelt hat. Und manchmal schießen die Frauen sogar besser als die Männer – auch das ist ein wunderbares Zeugnis für gelebte Gleichberechtigung. Gerade in unserer heutigen Zeit müssen wir uns immer wieder klar gegen Angst, Gewalt und jede Form von Diskriminierung stellen. Der Sport kann dabei eine besondere Kraft entfalten. Er bringt Menschen zusammen, schafft Freundschaften über Grenzen hinweg und vermittelt Werte, die wir an die nächsten Generationen weitergeben müssen. Deshalb bedeutet mir diese Trophäe so viel. Sie erinnert uns an die Vergangenheit, sie würdigt die Menschen, die wir heute ehren, und sie gibt uns zugleich einen Auftrag für die Zukunft: Niemals vergessen – und gemeinsam dafür sorgen, dass Respekt, Freundschaft und Menschlichkeit stärker sind als Hass und Ausgrenzung.“

DSB-Präsident Hans-Heinrich von Schönfels war wie in den vergangenen Jahren vor Ort, um der Verleihung dieses für den Deutschen Schützenbund wichtigen Ehrenpreises beizuwohnen, dem Namensgeber die Ehre zu erweisen und zu mahnen: „Wir wollen aber auch daran erinnern, wie verletzlich der arglose und friedliche Sport in einer Welt ist, die von Fanatismus, Hass und Gewalt bestimmt wird – vor mehr als einem halben Jahrhundert genauso wie heute. Wir wollen ein nachdrückliches Zeichen setzen, dass die Werte des Sports und des olympischen Gedankens, Fairness und Menschlichkeit, trotz allem lebendig sind. Wir schreiben den Kehat Schor Gedächtnispreis mit Bedacht in einem Wettbewerb für junge Sportlerinnen und Sportler aus.“ Und weiter: „Die Opfer des Terroranschlags von 1972 sind nicht ganz umsonst gestorben, wenn das Gedenken an sie uns heute Lebenden einander näherbringt. Ich glaube, dass wir auf einem guten Weg dahin sind. Seit unserer Gedenkveranstaltung vor fünf Jahren, dem deutsch-israelischen Memorial-Cup, sind die ohnehin schon freundschaftlichen Beziehungen unserer beiden nationalen Schießsportverbände noch enger geworden, waren israelische Sportlerinnen und Sportler mehrfach am Bundesstützpunkt in Wiesbaden/Frankfurt. Denn nichts fördert das gegenseitige Verständnis besser und nachhaltiger als das gemeinsame Spielen und Sporttreiben.“

Auch auf die bald anstehende Entscheidung des Deutschen Olympischen Sportbundes für eine Ausrichterstadt für zukünftige Olympische und Paralympische Spiele ging von Schönfels ein: „Sollte es München werden und sollte das Internationale Olympische Komitee sich für München entscheiden, wird diese Anlage hier wieder Schauplatz friedlicher Schießwettbewerbe sein. Und auch wenn wir alle dann nicht mehr amtieren, wird mit diesen Wettbewerben ein Zeichen der Erinnerung an Kehat Schor verbunden sein. Der Deutsche Schützenbund sieht das als besondere Verpflichtung aus der Vergangenheit heraus.“

Übrigens: Kehat Schor ist - wie auch die anderen israelischen Opfer und der beim Befreiungsversuch ums Leben gekommene Polizist - namentlich auf dem Gedenkbalken in München, der an die Attentatsopfer erinnert, „verewigt“. Der Klagebalken wurde am 27. September 1995 im Olympiapark aufgestellt. Den „Balken“ hat Fritz Koenig und damit der gleiche Bildhauer geschaffen, der auch die Skulptur „Große Scheibenfigur“ im Eingangsbereich auf der Olympia-Schießanlage zu den Olympischen Spielen 1972 erstellt hat.

Die bisherigen Sieger des Kehat Schor Gedächtnispreises
2023: Brianna Grasberger (Mörntaler-Falkenschützen Mauerberg)
2024: Carmen Suck (Schützengesellschaft Seebronn)
2025: Anabell Dörsam (SV Petersberg)
2026: Valentina Boll (Sportschützen Westallgäu)

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