Weltmeisterschaften
WM Doha: Der Routinier, der längst noch nicht genug hat
Er ist der wahrscheinlich bekannteste noch aktive deutsche Sportschütze und liefert Jahr für Jahr Top-Leistungen ab: Christian Reitz (Regensburg) ist mittlerweile 39 Jahre, hat aber längst noch nicht genug vom Schießsport. Bei der Weltmeisterschaft in Doha/Katar (1.-14. November) ist er mit der Luftpistole am Start und ambitioniert.

Warum auch aufhören? Erst zuletzt gewann er Silber mit der Luftpistole beim Weltcup in Kairo/EGY, der als unmittelbare Vorbereitung auf den Saisonhöhepunkt diente. Dabei ist die Quotenplatz-WM im Wüstenstaat eine ganz besondere für Reitz: Denn erstmals in seiner langen Karriere – die erste Erwachsenen-WM schoss er 2010 in München – nimmt er nicht mit der Schnellfeuerpistole teil: „Es ist auf jeden Fall etwas anderes, und natürlich ist es auch immer bei den Wettkämpfen sehr witzig, weil da natürlich fast kein Wettkampf vergeht, bei dem nicht irgendwo einer mal doof nachfragt, wann fängst du jetzt eigentlich wieder mit Schnellfeuer an?“
Die Entscheidung, sich in diesem Jahr nur auf die Luftpistole zu konzentrieren, fiel in Abstimmung mit den Bundestrainern Detlef Glenz (Schnellfeuerpistole) und Claudia Verdicchio-Krause (Pistole): „Wir haben uns Ende letztes, Anfang dieses Jahres dafür entschieden, mal diesen Weg zu gehen, mal nur Luftpistole zu schießen, etwas, was ich im Endeffekt noch nie gemacht habe“, so Reitz. Und zwar deshalb, weil der Ausnahmeschütze in beiden Disziplinen, Schnellfeuerpistole und Luftpistole, absolute Weltklasse darstellt: Olympiasieg 2016 und Olympia-Bronze 2008 mit der Schnellfeuerpistole, jeweils fünfter Platz bei den Olympischen Spielen in Tokio und Paris mit der Luftpistole. Aber eben keine Medaille, und deshalb wurde dieses Mal ein anderer Weg eingeschlagen mit einer interessanten Erkenntnis von Reitz: „Ich habe wirklich das erste Mal über einen längeren Zeitraum kontinuierlich und strukturiert Luftpistolen-Training absolviert. Und gerade bei der Arbeit mit Guido (Rudolph, Bundestrainer Leistungsdiagnostik) – ich war zu seinem Erstaunen das erste Mal bei der Messung mit der Luftpistole – haben wir ein paar Ecken gefunden, wo man etwas herausholen kann.“
Mit Erfolg: In Kairo erreichte Reitz mit 585 Ringen in der Qualifikation das Finale, das er als Zweiter beendete. Das fühlte sich gut an, sodass weitere Höhenflüge und Erfolge – dieses Mal mit der Luftpistole – kommen könnten: „Ich bin recht zuversichtlich, dass ich an einem Punkt bin, wo ich die 580 Ringe als recht normal einstufe. Wenn es einigermaßen gut läuft, sind Anfang/Mitte 80 drin“, so Reitz, der weiter sagt: „Ich habe ein deutlich sensibleres Gefühl für die Luftpistole bekommen. Ich merke die Feinheiten deutlich eher, weil ich mich mehr damit beschäftigt habe und sie mir früher auch einfach nicht aufgefallen sind.“

Auffallen will er in Doha - am 5. November ist der Einzel-Wettbewerb, einen Tag später der im Mixed -, wohlwissend, dass mit einem Ergebnis jenseits der 580 Ringe ein Finaleinzug (Die Finals werden live bei YouTube gestreamt) möglich ist. Es ist das klare Ziel des Routiniers: „Ich will das Beste rausholen, damit es für das Finale reicht. Im Finale ist dann alles möglich mit der Schwierigkeit, dort keine großen Fehler zu machen, da diese aufgrund der geringeren Schusszahl als in der Qualifikation kaum auszugleichen sind.“
Und damit das klappt, was in seiner unglaublichen Karriere, einer Erfolgsgeschichte sondergleichen, noch nicht passiert ist: der Gewinn einer WM-Medaille in einer olympischen Einzel-Disziplin: „Das ist mir bewusst! Vor 20 Jahren habe ich bei der Junioren-WM in Zagreb den WM-Titel gewonnen (Schnellfeuerpistole, Anm. d. Red.). Ich hätte nichts gegen eine Wiederholung einzuwenden.“
Die bisherige WM-Medaillen von Christian Reitz
Gold Zentralfeuerpistole 2023
Gold Zentralfeuerpistole 2022
Gold Standardpistole Mixed 2022
Gold Schnellfeuerpistole Junioren 2006
Silber Standardpistole 2022
Silber Zentralfeuerpistole 2018
Bronze Standardpistole 2014
