Europameisterschaften

Bogen-EM Antalya: Ein ganz unterschiedliches Duo im Doppel-Interview

18.05.2026 09:21

Die eine reist als doppelte Titelverteidigerin an, der andere erlebt seine ersten Europameisterschaften bei den „Großen“: Recurveschützin Katharina Bauer (Raubling, 30 Jahre) und Compoundschütze Simon Moritz (Oberschneiding, 17 Jahre) schießen bei der Bogensport-EM in Antalya/TUR (19. bis 24. Mai) nicht nur unterschiedliche Disziplinen, sondern haben auch ganz unterschiedliche Erfahrungswerte. Wie sie die EM sehen, erzählt das Duo im Interview.

Foto: World Archery / Katharina Bauer gewann bei der EM in Essen 2x Gold und 1x Bronze und will auch bei der EM in Antalya vorne angreifen.
Foto: World Archery / Katharina Bauer gewann bei der EM in Essen 2x Gold und 1x Bronze und will auch bei der EM in Antalya vorne angreifen.

Mit wie viel Vorfreude geht ihr in die EM nach Antalya?
Bauer: „Ich freue mich sehr auf die EM und auf die Zeit mit dem Team. Für mich geht es am Mittwoch (13.5.26, Anm. d. Red.) schon nach Antalya. Wir Recurver holen uns den letzten gemeinsamen Feinschliff in einem Trainingslager in Belek.“
Moritz: „Auf jeden Fall mit einer sehr großen Vorfreude. Ich freue mich immer auf die kommenden Turniere.“

Antalya ist ja fast eine zweite Heimat für euch! Trainingslager, Wettkämpfe – zuletzt der Grand Prix – macht ihr dort. Ein Vorteil, wenn man den Standort so gut kennt?
Bauer: „Ich sehe das schon als gewissen Vorteil. Man muss sich nicht erst neu zurechtfinden, sondern weiß genau, was auf einen zukommt und wo man was findet.“
Moritz: „Für mich noch nicht ganz. Ich war nämlich erst einmal in Antalya, das war letztes Mal beim Grand Prix. Trotzdem konnte ich das Gelände gut kennen lernen.“

Was sind die Tücken des Geländes? Oder gibt es keine?
Bauer: „Tücken gibt es keine, es ist ein schöner, großer Platz. Die Hotels sind fußläufig erreichbar. Natürlich ist es dort verhältnismäßig immer recht windig. Wind gehört zu unserem Sport einfach dazu und ist eine der Herausforderungen, die es so zu bewältigen gibt. Ich mag es, mit dem Wind zu arbeiten und freue mich dann immer umso mehr, wenn ich trotz windiger Verhältnisse gute Ergebnisse erzielen kann.“
Moritz: „Tücken gab es letztes Mal beim Grand Prix nicht großartig. Wie immer gibt es Wind, auf den man achten muss.“

Foto: World Archery / U18-Weltmeister Simon Moritz feiert in Antalya sein EM-Debüt bei den Erwachsenen.
Foto: World Archery / U18-Weltmeister Simon Moritz feiert in Antalya sein EM-Debüt bei den Erwachsenen.

Kathy, du hast in München 2022 Einzel-Bronze und Team-Gold, in Essen 2024 Einzel-Gold und Mixed-Gold gewonnen. Da kann doch ein Dabeisein nicht alles sein, oder?
Bauer: „Ich will jeden Wettkampf mit größtmöglichem Erfolg abschließen. Ich weiß, dass ich bei den vergangenen EM’s für einiges belohnt wurde und dadurch auch viele wichtige Erfahrungen sammeln konnte. Ich bin gut vorbereitet, werde alles geben und werde diese Erfahrungen mit in den Wettkampf nehmen - ob es dann sogar wieder für Medaillen reichen wird, wird sich herausstellen. Um am Ende der Woche auf dem Treppchen zu stehen, müssen wirklich ganz viele Faktoren stimmen. Manche davon habe ich nicht mal selbst in der Hand. Deswegen konzentriere ich mich auf das, was ich beeinflussen kann und werde erstmal Pfeil für Pfeil abarbeiten und dabei Spaß haben.“

Simon, du erlebst deine erste EM bei den „Großen“. Mit welcher Einstellung gehst du in die Wettkämpfe?
Moritz: „Ich weiß, was ich kann und wo ich noch Probleme habe. Auf jeden Fall gehe ich motiviert in diesen Wettkampf und werde mein Bestes geben, bei den Erwachsenen mitzuhalten.“

Du bist der deutsche Aufsteiger im Compoundbereich! U18-Weltmeister 2025, Sieger der EM-Qualifikation 2026. Wie erklärst du dir diese rasante Entwicklung und wo soll es noch hingehen?
Moritz: „Wie ich es mir erklären kann, ist ziemlich einfach: Ich trainiere sehr viel und habe auch eine sehr große Unterstützung durch meine Familie und durch meinen Trainer. In der Zukunft erhoffe ich mir, dass ich international erfolgreich bin. Und wenn alles gut läuft, ich in der Zukunft an den Olympischen Spielen teilnehme.“

Bei der EM erwartet euch starke Konkurrenz. Wen erwartet ihr besonders stark? Auf wen muss geachtet werden?
Bauer: „Dass bei einer EM alles passieren kann, hat sich in den letzten Jahren immer wieder gezeigt. Vor allem die Türkei hat in den letzten Wochen ordentlich abgeliefert. Ansonsten werden bestimmt auch Frankreich, Spanien, Italien und die Ukraine mitmischen. Dass wir aber auch mit vorne dabei sind, haben zum Beispiel unsere Männer mit ihrem Sieg beim Grand Prix gezeigt.“
Moritz: „Bei der EM schießen ausschließlich nur gute Schützen mit, also ist die Konkurrenz ziemlich stark. Es sind auch die Besten der Welt dabei, wie Mike Schloesser/NED, Mathias Fullerton/DEN usw., auf die geachtet werden muss.“

Die EM ist – früh im Jahr – der Saison-Höhepunkt. Oder seht ihr das anders?
Bauer: „Ich glaube, die EM klingt auf dem Papier „früher“ als sie sich für mich persönlich anfühlt. Meine komplette Saisonplanung war danach ausgerichtet, sodass ich auch im Vorfeld schon viele Trainingslager und auch Wettkämpfe hatte, um Dinge zu testen und Wettkampferfahrungen zu sammeln. „Früh“ sehe ich für mich auch nicht unbedingt als Nachteil - man ist im Kopf noch frischer und hat nicht so viele harte Wettkampfwochen in den Knochen.“
Moritz: „Ja, die EM ist für mich der Saison Höhepunkt.“

Wenn ihr am 24. bzw. 25. Mai zufrieden in den Flieger für die Abreise steigt, was ist dann die Tage zuvor passiert?
Bauer: „Ich steige zufrieden in den Flieger, wenn ich meine persönliche Leistung abrufen konnte. Ich werde Schuss für Schuss mein Ding machen und bis zum letzten Pfeil kämpfen, um das Bestmögliche für mich und meine Mannschaft herauszuholen. Ich wünsche mir, dass wir alle am Ende der Woche in den Flieger steigen und uns - unabhängig von den Resultaten - denken: „Wir haben einfach alles gegeben und hatten dabei auch noch Spaß!“
Moritz: „Dass ich hoffentlich das, was ich im Training gelernt habe, gut umsetzen konnte; dass ich meine Leistung abrufen konnte und dass ich viel Spaß hatte.“

Das deutsche EM-Team in Antalya
Compound: Marie Marquardt (Potsdam), Katharina Raab (Wertach), Julia Böhnke (Sigmaringen), Paolo Kunsch (Schwaikheim), Simon Moritz (Oberschneiding), Noah Nuber (Bad Schönborn)
Recurve: Katharina Bauer (Raubling), Elisa Tartler (beide Berlin), Charline Schwarz (Feucht), Mathias Kramer (Herßum), Jonathan Vetter (Deufringen), Moritz Wieser (Trostberg)
Betreuer: Oliver Haidn, Holger Hertkorn, Antje Hoffmann, Grit Reimann, Reinhard Kisselbach, Dirk Marz, Harald Kruse, Harry Vohs, Thomas Abel, Danja Schmidt

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