Tradition
75 Jahre Wiedergründung DSB: Von der Kuh zur Kette – Das Bundeskönigsschießen
Die Schützentradition und das Brauchtum ist neben dem Sport ein fester und wichtiger Bestandteil der Schützenkultur im Deutschen Schützenbund, in den Landesschützenverbänden und ihren Untergliederungen. Schützentraditionen und Bräuche können dabei sehr unterschiedlich sein, wie die verschiedenen Beiträge des DSB und der Landesverbände zeigen, die das gesamte Jahr über zum 75-jährigen Jubiläum der DSB-Wiedergründung veröffentlicht werden. Dieses Mal dreht sich alles um das Bundeskönigsschießen.

Bald ist es wieder so weit: Am 9. Mai 2026 steigen in Frankfurt am Main das Bundeskönigsschießen und das Bundesjugendkönigsschießen. Ausrichter des jährlichen Traditionswettkampfs ist diesmal der Hessische Schützenverband, der ebenfalls sein 75-jähriges Gründungsjubiläum feiert.
Das Bundesjugendkönigsschießen (Jahrgänge 2006 und jünger) beginnt um 10:00 Uhr, im Anschluss daran sind um 11:30 Uhr die Erwachsenen an der Reihe. Zuschauer sind im Landesleistungszentrum Frankfurt in der Schwanheimer Bahnstraße 115 herzlich willkommen. Der Eintritt ist frei. Um die Würde des DSB-Bundeskönigs bzw. des Bundesjugendkönigs bewerben sich die Majestäten der 20 Landesverbände. Mit dem Luftgewehr oder der Luftpistole sind innerhalb der Wettkampfzeit von 30 Minuten 20 Schuss stehend freihändig abzugeben. Da nur ein einziger, nämlich der per Teilerwertung ermittelte beste Wettkampfschuss über den Titel des/der Bundes-(jugend-)könig/-königin entscheidet, spielt auch das Glück eine kleine Rolle.
Eine genaue Trefferanzeige während des Schießens gibt es nicht. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erfahren erst am Abend ihre Ergebnisse, wenn im Rahmen des großen Bundesschützenballs die Bundeskönige öder Königinnen proklamiert werden. Hochspannung ist angesagt, sobald die beiden DSB-Vizepräsidenten Tradition und Jugend die Resultate und Platzierungen verkünden und die Schießleiter die Urkunden und Pins verteilen. Zusammen mit den noch amtierenden Bundesmajestäten nimmt schließlich DSB-Präsident Hans-Heinrich von Schönfels die Proklamation des Bundes(jugend)königs oder der Bundes(jugend)königin 2026 vor. In der rauschenden Ballnacht im Saalbau Griesheim in Frankfurt und dann noch für ein Jahr bis zum Deutschen Schützentag 2027 in Schwerin dürfen sie dann die beiden jeweiligen goldenen Ketten tragen – das äußere Zeichen ihrer Königswürde.

1955 fand das erste Bundesschießen nach dem Krieg statt
Das war nicht immer so. Gemessen an dem schon „seit grauer Vorzeit“ über Jahrhunderte hinweg geübten Brauch des Königschießens in den alten Schützengesellschaften hat das Bundeskönigsschießen im Dachverband noch eine sehr junge Tradition. Im 1861 gegründeten Deutschen Schützenbund war es ursprünglich nicht vorgesehen. Erst 1955, beim ersten Deutschen Bundesschießen nach dem Krieg, nahm man es auf Anregung der Niedersächsischen Schützen, die sich um die Wiedergründung des Deutschen Schützenbundes 1951 sehr verdient gemacht hatten und wo die Tradition des Königschießens sehr populär ist, ins Programm. Das Bundeskönigsschießen sollte sich am Schweizer Vorbild orientieren und den besten der vielseitigsten Schützen – jeder konnte mitmachen, auch Frauen waren zugelassen – ausfindig machen. Das bedeutete, dass mit dem Luftgewehr oder dem Zimmerstutzen auf 10 m, mit dem Kleikalibergewehr auf 50 m und mit dem Scheibengewehr auf 100 m jeweils eine Serie von 5 vorher anzukündigenden „Königsschüssen“ abzugeben war. Zu diesen Ergebnissen wurden noch die beiden besten aus der Teilerwertung in Ringe umgerechneten Tiefschüsse mit Luftgewehr und KK-Gewehr auf die Festscheibe hinzuaddiert.
Bei den beiden Deutschen Bundesschießen 1961 und 1965 wurde das Königsprogramm dann auf je einen Tiefschuss mit dem Luftgewehr, dem Kleinkaliber- und dem Scheibengewehr reduziert. Dafür gab es 1965 auch erstmals Jugendmajestäten, einen „Schützenprinz“ bzw. eine „Schützenprinzessin“. In der Schweiz schießen noch heute die 50 besten Schützen, die an allen Disziplinen teilgenommen haben, um die Würde des „Eidgenössischen Schützenkönigs“. Die Distanz beträgt 300 m, beim letzten Eidgenössischen Schützenfest gab es ein schottisches Hochlandrind für den Schützenkönig. Auch die Verantwortlichen des Deutschen Schützenbundes hatten 1955 – ganz nah an der uralten Schützenkönigstradition - zunächst „Vieh“, „eine Kuh“ oder andere Naturalien als Preis für den Bundeskönig angedacht, sich dann aber für eine zwar massiv goldene, aber noch bezahlbare Medaille entschieden.
Seit 1976 fest im Programm der Deutschen Schützentage
Nach dem letzten Deutschen Bundesschießen 1965 in Hannover wurde auch das Bundeskönigsschießen vorübergehend eingestellt. Überlegungen, in welcher Form und zu welchen Gelegenheiten der 1955 eingeführte Wettbewerb fortgeführt werden könnte, kamen zu einem Ergebnis, als Mitte der 1970er Jahre der „Große Preis des Deutschen Schützenbundes“, der jährlich als Finale eines bundesweiten Fernwettkampfs am Rand des Oktoberfestlandesschießens ausgetragen wurde, in die Krise geriet. Gleichzeitig plante der Südbadische Sportschützenverband, dem von ihm auszurichtenden Deutschen Schützentag 1976 in Baden-Baden anlässlich des 25-jährigen Jubiläums der Wiedergründung des Deutschen Schützenbundes durch die Austragung des Königsschießens eine besonders festliche Note zu geben. Seitdem war das Bundeskönigsschießen fest in die Deutschen Schützentage integriert. In den Jahren dazwischen wird die Traditionsveranstaltung an einen der 20 Landesverbände vergeben.
Seit 1976 gab es auch eine Königskette und seit 2001 auch wieder einen Jugendkönig bzw. eine Jugendkönigin mit eigener Kette. Im nächsten Jahr, beim Deutschen Schützentag in Schwerin, wird eine weitere dazukommen, wenn die besten Seniorinnen und Senioren der Landesverbände ihren Bundesseniorenauflagekönig bzw. Königin ermitteln.
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