Tradition

75 Jahre Wiedergründung DSB: Der Gothaer Schützenhof – DSB-Gründungsstätte Gotha 1861

10.03.2026 09:41

Die Schützentradition und das Brauchtum ist neben dem Sport ein fester und wichtiger Bestandteil der Schützenkultur im Deutschen Schützenbund, in den Landesschützenverbänden und ihren Untergliederungen. Schützentraditionen und Bräuche können dabei sehr unterschiedlich sein, wie die verschiedenen Beiträge der Landesverbände zeigen, die das gesamte Jahr über zum 75-jährigen Jubiläum der DSB-Wiedergründung veröffentlicht werden. Dieses Mal ist der Thüringer Schützenbund an der Reihe, der von der DSB-Gründungsstätte erzählt.

Foto: Thüringer Schützenbund / Die DSB-Gründungshalle, die die Stadt Gotha einst übernommen und für eine grundhafte Sanierung unter denkmalspflegerischen Gesichtspunkten saniert hat.
Foto: Thüringer Schützenbund / Die DSB-Gründungshalle, die die Stadt Gotha einst übernommen und für eine grundhafte Sanierung unter denkmalspflegerischen Gesichtspunkten saniert hat.

Ein lebendes Museum
Die Geschichte, sagt man, ist schnelllebig und vergänglich. Junge Generationen sehen in die Zukunft und sind manchmal unsicher, was da kommen mag. Doch es gibt auch jene, die aus Vergangenem lernen, die so manches Erinnerungsstück oder Dokument aufbewahren, um der Vorangegangenen zu gedenken und deren Vermächtnis weiterzutragen. So auch bei den deutschen Schützen.

Die Zeit ging über Ereignisse und deren Zeitzeugen hinweg. Schützenhöfe verfielen, große Ereignisse verblassten. Die Schützen aber haben es verstanden, über alle Zeiten und politischen Herrschaftssysteme hinweg ihre Existenznachweise, ja sogar wichtige Bauwerke zu schützen und zu bewahren.

Deutsche Sportverbände haben im Laufe der Zeiten ihre Gründungstätten, meist durch Überbauung oder Abriss, verloren. Nicht aber der Deutsche Schützenbund. In Gotha, jener legendären Stadt der Gründung des DSB im Jahr 1861, haben sich selbst in der DDR-Zeit Schützen gefunden, die geschickt das historische Anwesen an politische Forderungen anpassten und so den Schützenhof als Areal sicherten.

Foto: Thüringer Schützenbund / Die Historischen Gothaer Torwachen vor dem Rathaus.
Foto: Thüringer Schützenbund / Die Historischen Gothaer Torwachen vor dem Rathaus.

Im Jahr 1990 traten sie wieder als „Altschützengesellschaft Gotha“ ins Licht der Öffentlichkeit und begannen die Gründungsstätte zu sichern und schrittweise zu sanieren. Erste Stimmen „erfahrener“ Schützen aus den „alten“ Bundesländern rieten zur Aufgabe und zu Neubauten eines bescheideneren Hauses mit Schießanlage. „Die Kosten der Erhaltung werden euch verschlingen“ so lauteten Mahnungen.

Wären die Gothaer Schützen diesen Ratschlägen gefolgt, so gäbe es die Gründungsstätte nicht mehr. Doch mit Enthusiasmus und praktischen Erfahrungen nahmen sie die Erneuerung – nicht nur der politischen – auf sich und sicherten so dieses imposante Areal eines architektonischen Vierseiten-Hofes mit der ersten 300-Meter-Schießanlage in Deutschland, die inzwischen zu einem bezaubernden Schützenpark umgewidmet wurde.

Mit Unterstützung durch den Gothaer Stadtrat wurde die Gründungsstätte in ihrer Gesamtheit unter Denkmalsschutz gestellt.

Die Stadt Gotha hat dieses Gebäude einst übernommen und sorgte für eine grundhafte Sanierung unter denkmalspflegerischen Gesichtspunkten. Im Inneren des historischen Schützenhofes haben die Gothaer Altschützen ein „lebendiges Museum“ entstehen lassen, als es ihnen gelang – wohl als erste Vereinigung im östlichen Deutschland – die einst im Regionalmuseum vor Raub verwahrten Schätze durch Restitution zurückzuführen.

Der Königsorden
Die Altschützengesellschaft blickt mit einigem Stolz auf Besonderheiten, die sie schon lange Zeit pflegt. Dazu gehört der Königsorden als besondere Gemeinschaft innerhalb des Vereins.Im Jahr 1795 stiftete der damalig Landesherr Herzog August von Sachsen-Gotha-Altenburg diesen Orden, dem alle lebenden Schützenkönige der Altschützengesellschaft angehören.

Nach dem alljährlichen Königsschießen wird der neue Schützenkönig proklamiert und durch Verleihung einer Replika des Original-Königsordens in diese besondere Gemeinschaft aufgenommen. Das wertvolle Original des Ordens befindet sich im „Historischen Museum der Gesellschaft".

Der „Goth´sche Scheibenschütz´“
Alljährlich gehört das Schießen auf eine handgemalte Schützenscheibe zur festen Tradition in Gotha. Auf das Motiv – meist ein Bauwerk der Stadt – darf der Teilnehmer einen Schuss auf das „Mal“ abgeben. Der Schütze, der mit seinem Treffer diesem markierten Punkt am nächsten kommt, erringt die Ehre des „Goth´schen Scheibenschütz´“. Er darf für das nächste Jahr das Motiv der Scheibe auswählen.

,,Sankt Gothardus und die Historischen Gothaer Torwachen"
Einst zogen die Schützen am Namenstag des Stadtpatron Sankt Gothardus (5. Mai) um die Mauern der Stadt und grüßten ihre Kameraden der Torwachen.

An dieses historische Geschehen lehnten sich die Altschützen an und kreierten die Kostüme des „Sankt Gothardus und die Historischen Gothaer Torwachen", in die sie nun alljährlich hineinschlüpfen, um das imposante Stadtfest zu eröffnen und zu begleiten.

Die vier verschiedene Jahrhunderte repräsentierenden Kostümgruppen stehen für markante Daten aus der Geschichte der Altschützengesellschaft Gotha:

  • 1442 die früheste bekannte Schützenordnung
  • 1656 Zeit nach dem 30-jährigen Krieg nach schwedischer Kleidung
  • 1795 Stiftung des Königsordens durch Herzog August von S-G-A
  • 1861 der von Gotha vorgeschlagenen einheitliche Schützenrock

Inzwischen gab es eine Vielzahl von Schützenveranstaltungen, zu denen diese Gruppe eingeladen wurde und einen attraktiven Rahmen bildete.

Weiterführende Links