Europameisterschaften
Druckluft-EM Eriwan: Gold, zweimal Silber und einmal Bronze
Der dritte von vier Wettkampftagen bei der Druckluft-Europameisterschaft in Eriwan/ARM (1. bis 4. März) war der bislang erfolgreichste für das DSB-Team: Gold für die Luftgewehr-Männer und Silber für die Luftgewehr-Frauen im Trio-Wettbewerb, Silber für Luftpistolenschütze Paul Fröhlich im Solo und Bronze für das Frauen-Team Laufende Scheibe.

Deutschland gegen Norwegen. Das war das beherrschende Nationen-Duell am dritten Tag der Druckluft-Europameisterschaft in Eriwan/ARM im Gewehrbereich. Denn sowohl im Frauen- als auch im Männer Trio-Wettbewerb standen sich beide Teams im Goldfinale gegenüber.
Luftgewehr Trio Männer: Dreimal Max ist zu viel für Norwegen
Maximilian, Maximilian und Max! So lauten die Vornamen der drei DSB-Schützen Dallinger, Ulbrich und Ohlenburger, die sich seit heute Europameister im Trio-Wettbewerb nennen dürfen. Im Goldfinale setzten sich die DSB-Schützen souverän mit 16:8 gegen die Norweger durch und freuten sich sicht- und hörbar über den Coup: „.“ Im Finale benötigten die Deutschen keine Anlaufzeit und legten einen formidablen Start hin: Mit 32,0 Ringen starteten sie in das Macht und hatten nach den ersten vier Durchgängen einen Vier-Punkte-Vorsprung herausgeschossen (6:2). In der Folge verkürzten die Norweger stets auf zwei Zähler, ehe die „Maxens“ vier auf vier Punkte erhöhten. Nach der neunten Serie wurde daraus ein Sechs-Punkte-Polster (12:6), es folgte eine norwegische Auszeit, die das deutsche Team jedoch nicht mehr aufhielt. Mit 31,9:31,4 wurde die letzte Serie gewonnen, Arme hochgerissen und sich umarmt. „Es war ein absolute Trio-Leistung. In der Qualifikation war Maxi Ulbrich sehr, sehr gut und hat uns das ein oder andere Mal gezogen. Im Finale haben wir es uns gut aufgeteilt. Irgendjemand von uns hatte immer eine dicke Zehn dabei, das war entscheidend, weil es doch sehr enge Serien waren. Letztlich sind wir cool geblieben und haben uns aufeinander verlassen. Wir sind glücklich über den Sieg, den wir uns redlich verdient haben“, sprach Dallinger für das gesamte Gold-Team und gab einen Einblick in den Final-Wettkampf: „Als ich den Bildschirm in der Probe von Max gesehen habe, habe ich mir fast ein bisschen Sorgen gemacht. Dann hat er es aber souverän umgewandelt und ordentliche Zehner draufgebracht.“
Der Weg zum EM-Titel war weit. Zunächst mussten alle Teams eine Qualifikation – jeder Schütze absolviert 20 Schüsse und die Ergebnisse werden summiert – absolvieren. Die schloss das DSB-Trio mit 632,1 Ringen als Erster ab, was zudem noch Europarekord bedeutete. Es folgte das Viertelfinale der besten acht Teams, in dem 630,7 Ringe zu Platz vier und somit zum Erreichen des Halbfinals reichten (die Norweger steigerten den Europarekord auf 632,8). Dort sprang das DSB-Trio wieder an die Spitze, 629,4 Ringe sicherten Platz eins und den Platz im Goldfinale.

Luftgewehr Trio Frauen: Norwegen gelingt die schnelle Revanche
Nach den Männern folgten die Frauen, die namentlich ähnlich geschlossen – Hanna, Anna und Hannah – auftraten. Doch Bühlmeyer, Janßen und Steffen-Dix fanden überhaupt nicht ins Match und gerieten schnell mit 0:8 in Rückstand. Zum einen, weil immer eine der drei DSB-Schützinnen keine hohe Zehnerwertung schoss, zum anderen, weil die Norwegerinnen extrem konstant und qualitativ hochwertig trafen. Eine gute 31,8 des deutschen Trios konterten sie beispielsweise mit 32,1 Ringen, eine 31,9 mit einer 32,0. Auch die Auszeit von Bundestrainer Wolfram Waibel beim 0:8 brachte keine Besserung bzw. Wende. Und so passierte das, was seltenst in einem Goldfinale auf diesem Niveau passiert: Mit 0:16 ging das Match aus deutscher Sicht verloren, der letzte Durchgang war symptomatisch: Bühlmeyer, Janßen und Steffen-Dix schossen erneut starke 31,6 Ringe, die Norwegerinnen 31,8. „Es war sehr gut, sehr aufregend und hat viel Spaß gemacht, auch wenn die Norweger ständig vornelagen. Es war ein starkes Finale und ist ein cooler Wettkampf, bei dem jeweils drei Schützinnen zeigen können, was sie draufhaben“, meinte Hannah Steffen-Dix danach. Während Bühlmeyer und Steffen-Dix ihre erste Medaille bei der EM gewannen, war es für Janßen im dritten Wettbewerb die dritte Silbermedaille.
Luftpistole: Paul Fröhlich ganz stark zu Silber
Im Einzel konnte Paul Fröhlich mit seiner Leistung nicht zufrieden sein. Lediglich 568 Ringe und Platz 46 sprangen für den Hitzhofener heraus, damit blieb er deutlich hinter den sehr guten Leistungen im Vorfeld der EM zurück. Demnach wollte er sich im zweiten Einzel-Wettbewerb, dem Solo-Event, rehabilitieren. Bei diesem Event wird nach dem Verfahren „Treffer“ (Hit) oder „Nicht-Treffer“ (Miss) verfahren, ein Treffer wird mit einem Wert von 9,8 oder höher erzielt. Und die Rehabilitation gelang dem 27-Jährigen in beeindruckender Art und Weise. Fröhlich schoss sich unter den 59 Startern nach 30 Schuss mit 24 Treffern souverän als Sechster unter die besten 16, die nochmals 30 Schuss bekamen. Und in diesen setzte er weitere 26 Treffer, wobei er bei der dritten Zehnerserie makellos blieb und sich somit sensationell für das Goldfinale gegen Einzel-Europameister Anton Aristarkhov/AIN qualifizierte. „Die ersten 30 im Vorkampf waren solide, und bei den zweiten 30 habe ich dann nochmals richtig aufgedreht. Ich kann’s leider selbst nicht genau sagen, wie ich es gemacht habe, aber das überlege ich mir mit den Trainern zusammen in Ruhe zu Hause nochmals“, so Fröhlich danach ganz ehrlich. Im Finale starteten beide hochkonzentriert und setzten jeweils ihre ersten drei Schüsse in den Wertungsbereich (3:3). Es blieb ausgeglichen, weil Aristarkhov seinen vierten und Fröhlich seinen sechsten Schuss daneben setzten (5:5). Als Fröhlich erneut nicht punkten konnte, nahm Bundestrainerin Claudia Verdicchio-Krause eine Auszeit, doch abermals punktete nur der Gegend (5:7). Diesem Zwei-Punkte-Rückstand lief Fröhlich bis zum 10:12 hinterher, als er in der 15. Serie traf und Aristarkhov das Ziel verfehlte (11:12). Beim 13-14 hatte der ganz in weiß gekleidete Aristarkhov Match-Schuss, den er auch verwandelte und mit dem knappsten aller Finalergebnisse siegte. Für Fröhlich dennoch ein großer Erfolg, sein bisher größter in einem internationalen Einzel-Wettbewerb: „Nachdem ich im Einzel extrem enttäuscht war und den Misserfolg erstmal verarbeiten musste, ist das für mich ein toller Abschluss der EM. Ich bin natürlich mega happy mit meiner Leistung heute. Ich wollte unbedingt richtig um Gold kämpfen und mich nicht auf der sicheren Silbermedaille ausruhen. Ich wusste, dass Anton gut schießen kann und das nicht leicht ist, und so war es dann auch. Das Schießen im Finale hat sich für mich sehr wackelig angefühlt, aber ich konnte mich gut konzentrieren und hab um jeden Punkt gekämpft. Leider hat es dann nicht ganz gereicht, aber die Leistung war trotzdem top.“
Pech hatte dagegen Robin Walter. Der Vize-Europameister im Einzel wurde bei Treffergleichheit (48) mit dem viertplatzierten Pavel Schejbal Fünfter, weil der Tscheche bei den zweiten 30 Schuss zwei Treffer mehr aufwies als Walter. Michael Schwald konnte 21 Treffer landen und verfehlte damit die Top 16 um exakt einen Treffer.
Bei den Frauen verpasste das Trio Maxi Vogt (19 Treffer), Michelle Skeries (18 Treffer) und Susanne Neisinger (16) Treffer die Qualifikation für die besten 16 Schützinnen. Vogt fehlte dabei exakt ein Treffer.
Laufende Scheibe: DSB-Schützen ohne Chance auf Einzelmedaille
So richtig in Tritt bzw. in Schuss kommen die deutschen Schützen der Laufenden Scheibe nicht bei der EM. Im Mix-Wettbewerb der Männer reichte es für Julian Gebauer mit 369 Ringen zu Platz acht, Kris Großheim hatte fünf Ringe weniger und wurde Zehnter. Und auch die Frauen hatten mit dem Ausgang der Medaillenvergabe nichts zu tun: Nicola Müller-Faßbender als Achte (361) und Daniela Vogelbacher als Neunte (359) fehlten zum Halbfinale dann doch sieben bzw. neun Ringe. Eva Östreicher (301) sammelt weiter Erfahrung und freute sich mit ihren Kolleginnen über Bronze im Teamwettbewerb.
Das deutsche Team in Eriwan
Luftgewehr: Anna Janßen, Maximilian Dallinger (beide Freising), Hanna Bühlmeyer (Weiltingen), Hannah Steffen-Dix (Ohlweiler), Max Ohlenburger (Idstein), Maximilian Ulbrich (Wilzhofen)
Luftpistole: Susanne Neisinger (Wien), Michelle Skeries (Potsdam), Maxi Vogt (Schöllkrippen), Paul Fröhlich (Hitzhofen), Michael Schwald (Lörrach), Robin Walter (Reichenbach)
Laufende Scheibe: Daniela Vogelbacher, Kris Großheim (beide Frankfurt/Main), Nicola Müller-Faßbender (Weitnau), Eva Östreicher (Sommerach), Julian Gebauer (Dettelbach)
Betreuer: Claudia Verdicchio-Krause, Wolfram Waibel, Thomas Zerbach, Sandra Reitz, Carsten Hees, Steffen Jabin, Victoria Nolte, Ulla Pfeiffer, Thomas Pfeffer, Danja Schmidt
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