Europameisterschaften

Bogen-EM Essen: Katharina Bauer ist die EM-Königin

12.05.2024 17:21

Katharina Bauer (Raubling) hat sich bei der Bogen-Europameisterschaft in Essen zur Königin gekürt: Die 28-jährige avancierte mit zweimal Gold (Einzel und Mixed) und einmal Bronze (Team) zur erfolgreichsten Schützin mit dem olympischen Recurvebogen und folgt damit auf ihre Teamkollegin Michelle Kroppen, die bei der EM in München ebenfalls drei Medaillen (Gold und zweimal Silber) gewann. Für ein Novum sorgte der Türke Mete Gazoz, der mit seinem EM-Titel als erster Bogenschütze Olympiasieger, Welt- und Europameister ist.

Foto: Eckhard Frerichs / Katharina Bauer avancierte bei der EM in Essen zur erfolgreichsten Athletin mit zweimal Gold und einmal Bronze.
Foto: Eckhard Frerichs / Katharina Bauer avancierte bei der EM in Essen zur erfolgreichsten Athletin mit zweimal Gold und einmal Bronze.

Team-Finals: Frankreich mit Rückenwind nach Paris
Einen gelungenen Einstand in den Finaltag lieferten die deutschen Frauen: Katharina Bauer, Charline Schwarz und Elisa Tartler setzten sich im Bronzematch gegen die Italienerinnen mit 6:2 (52-55, 54-53, 55-53, 54-52) durch. Bei besten äußeren Bedingungen wurde das Trio vom Publikum lautstark angefeuert und bejubelt, benötigte aber eine Passe, um sich an das Finalfeld und die Bedingungen dort zu gewöhnen. „Wir waren in der ersten Passe alle hoch mit unseren Schüssen, dann haben wir das Visier gestellt, und dann sind wir auch reingekommen“, so Schwarz. Erst der zwölfte Finalschuss - von Schwarz - ging in die Zehn: „Das war für uns alle eine Befreiung, danach waren wir auf Kurs.“ In der Tat, danach gab es keine Zweifel am Sieg des deutschen Teams, das nach Olympia-Bronze 2021, EM-Gold 2022 und WM-Gold 2023 die vierte Medaille bei einem Großevent in Serie gewann: „Es macht einfach Spaß. Ich freue mich, dass wir auf den Höhepunkten performen, das gibt uns gute Zuversicht, dass wir unser Können abrufen, wenn es darauf ankommt“, so Schwarz.

Gold sicherten sich die französischen Frauen: In einem mitßreißenden Finale besiegten sie die Niederlande 5:3 ((55-55, 50-51, 52-51, 52-50). Dabei erlebten beide Teams ein Wechselbad der Gefühle: In der dritten Passe hatten die Niederländerinnen die große Chance, den „Sack“ zuzumachen, 25 Ringe benötigten sie mit drei Pfeilen. Doch sie schossen nur 23 Ringe, und so musste die vierte Passe entscheiden. Nachdem die Französinnen starke 29 Ringe vorlegten, verzog Caroline Lopez völlig in eine Fünf. Doch auch diese Gelegenheit nutzten die Niederländerinnen nicht, sodass der Olympia-Gastgeber und Vize-Weltmeister neuer Europameister wurde: „Die letzte Passe war eine echte Achterbahnfahrt. Wir sind stark gestartet, dann hatten wir den Fehler, es war Stress pur, aber am Ende haben wir es gemacht“, meinte Lisa Barbelin. Und Lopez ergänzte: „Es war die beste Art, als Europameister zu den Olympischen Spielen zu gehen. Dort werden wir alles geben, um das bestmögliche Ergebnis zu erzielen.“

Den perfekten französischen Team-Tag rundeten die Männer ab: Im Gegensatz zu ihren Landsfrauen war ihr Gold-Triumph beim 6:0 (53-51, 52-50, 57-56) zu keiner Zeit gefährdet. Thomas Chirault, Jean-Charles Valladont und Baptiste Addis gewannen alle drei Sätze, auch wenn sie durchaus Schwierigkeiten hatten, das Zentrum zu treffen. Von ihren 18 Pfeilen fanden nur fünf die Zehn. Weil aber Italiens Alessandro Paoli in der zweiten Passe eine Sechs unterlief, ging auch dieser schwächere Durchgang an die Olympia-Gastgeber. Dementsprechend zufrieden waren die Franzosen mit dem Abschneiden, der ihnen kurz vor Olympia Rückenwind gibt: „Das ist das, was wir gebraucht haben vor den Olympischen Spielen, um in Paris erfolgreich zu sein“, meinte Chirault. Und der erfahrene Valladont ergänzte: „Das Team arbeitet zusammen und das Ergebnis hier ist das Resultat unserer Zusammenarbeit der vergangenen Jahre und Monate.“ Bronze gewannen die türkischen Männer nach einem spannenden Stechen mit 29-28 gegen die Niederlande.
Sowohl bei Frauen als auch Männern sehen sich die drei Medaillengewinnerteams bei den Olympischen Spielen in Paris wieder. Die Niederländerinnen und die Italiener hatten sich den Team-Quotenplatz mit dem Einzug in das Goldfinale gesichert.

Foto: Eckhard Frerichs / Für Florian Unruh war es nach dreimal WM- bzw. EM-Silber das erste Mixed-Gold. Katharina Bauer war seine kongeniale Partnerin.
Foto: Eckhard Frerichs / Für Florian Unruh war es nach dreimal WM- bzw. EM-Silber das erste Mixed-Gold. Katharina Bauer war seine kongeniale Partnerin.

Mixed-Finals: Unruh an der Seite von Bauer im vierten Versuch ganz oben
Katharina Bauer & Florian Unruh hatten sich souverän für das Goldfinale im Mixed qualifiziert und trafen dort auf Bryony Pitman & Connor Hall aus Großbritannien. Der drehende Wind (Unruh: „Der Wind ist echt tricky, weil er beim Schützen anders ist als an der Scheibe!“) machte allen vier Athleten sichtbar zu schaffen, denn einem sehr guten Schuss in die Zehn folgte oftmals eine Acht oder gar eine Sieben. Das DSB-Duo kam mit den Bedingungen aber weitaus besser zurecht, wobei vor allem Unruh eine wichtige Rolle einnahm: Er begann und beendete stets die Passe. Das machte der gebürtige Fockbeker mit der ihm eigenen Gelassenheit: Mit fünf Zehnern bei acht Schüssen war er der Hauptgarant für den 6:2-Erfolg (36-35, 35-35, 38-38, 38-36) und stand damit nach drei Mixed-Silbermedaillengewinnen bei der WM 2017 (mit Lisa Unruh), der EM 2022 und der WM 2023 (beide Male mit Michelle Kroppen) erstmals ganz oben auf dem Treppchen: „Das ist natürlich ein sehr gutes Gefühl, erst recht bei der Heim-EM. Wir haben wirklich sehr gut geschossen, auch bei den Matches vorher, und deswegen ist der Titel auch verdient.“
Bronze sicherten sich die Niederländer Steve Wijler & Laura van der Winkel durch ein 5:1 (37-37, 38-36, 35-34) gegen Mete Gazoz & Fatma Marasli (TUR).

Einzel-Finals: Bauer königlich, Gazoz historisch
Vor zwei Jahren hatte Bauer in München bereits EM-Bronze gewonnen, nun griff sie nach der EM-Krone und kam mit zwei Final-Auftritten und der Gewissheit, Team-Bronze und Mixed-Gold in der Tasche zu haben, in die Arena. Im Finale hieß die Gegnerin Elia Canales, die sich gleich von Beginn an hellwach zeigte und mit 3:1 (27-26, 27-27) in Führung ging (Bauer: 2 Ich bin zäh in das Finale gestartet, dann wurden die Gruppen aber besser und Oliver (Haidn, Bundestrainer, Anm. d. Red.) hat mir immer Mut zugesprochen.“). Doch Bauer wollte sich die Chance auf ihren ersten Einzel-Titel nicht nehmen lassen, blieb stabil und profitierte nun davon, dass die Spanierin mit den drehenden Winden zu kämpfen hatte. Erst gelang der Raublingerin der Ausgleich (27-25), dann die Führung (27-25). Demnach hätte ein Unentschieden zum Sieg gereicht, doch Canales schlug großartig zurück und holte mit einer 30-29 die fünfte Passe und erzwang ein Stechen. Ein Pfeil musste entscheiden, Bauer sprach sich in einem Monolog Mut zu („Ich sage mir: Ich bleibe bei mir, mach meine Technik, ich bin mutig – ich spreche mir positiv zu.“), legte eine gute Neun vor, die Canales nicht kontern konnte: 8,78 Zentimeter war Bauers Pfeil vom Zentrum entfernt, der von Canales mehr als 11 Zentimeter. Danach meinte die neue Europameisterin: „Ich muss ein wenig mit den Tränen kämpfen. Ich bin sehr glücklich und erleichtert, besser hätte der Tag nicht enden können. Ich ordne den Erfolg sehr hoch ein, es bedeutet mir sehr viel.“ Und auch für den inoffiziellen Titel „EM-Queen“ hatte die schlagfertige Bauer eine gute Erklärung: „Der Titel EM-Queen hört sich ganz süß an. Früher war ich immer die Prinzessin, jetzt bin ich erwachsen, deswegen klingt Queen durch den Titel bei den Erwachsenen ganz gut.“
Bronze sicherte sich die Französin Lisa Barbelin durch ein 6:0 (27-23, 27-25, 28-27) gegen Tatiana Andreoli.

In der Männer-Konkurrenz erlebten die Zuschauer eine Machtdemonstration und waren bei einem ganz besonderen Bogensport-Moment dabei: Der türkische Superstar Mete Gazoz machte mit seinem 6:0 (29-25, 26-25, 30-28) gegen den wackeren, aber überforderten Slowenen Den Habjan Malavasic ein historisches Tripple aus Olympiasieg, WM-Titel und EM-Krone perfekt. Das war noch nie einem Bogenschützen vorher gelungen. „Ich bin sehr glücklich über meinen ersten EM-Titel. Jedes Match im Bogensport ist hart, aber ich hatte den Vorteil, vorher zweimal auf dem Finalfeld geschossen zu haben, sodass ich die Bedingungen kannte. Der Fokus liegt in diesem Jahr auf den Olympischen Spielen. Manchmal gewinne ich auch kleinere Turniere, aber das wichtige sind natürlich die großen Events“, freute sich der Champion über diesen besonderen Moment.
Bronze ging im rein französischen Duell an Jean-Charles Valladont, der sich 6:0 (28-27, 28-27, 28-26) gegen Baptiste Addis durchsetzte.

Ergebnisse Recurve

Team
Bronze Frauen: Deutschland vs. Italien 6:2 (52-55, 54-53, 55-53, 54-52)
Gold Frauen: Niederlande vs. Frankreich 3:5 (55-55, 51-50, 51-52, 50-52)
Bronze Männer: Türkei vs. Niederlande 5:4 (50-57, 52-60, 57-55, 57-56, 29-28)
Gold Männer: Frankreich vs. Italien 6:0 (53-51, 52-50, 57-56)

Mixed
Bronze: Türkei vs. Niederlande 1:5 (37-37, 36-38, 34-35)
Gold: Deutschland vs. Großbritannien 6:2 (36-35, 35-35, 38-38, 38-36)

Einzel
Bronze Frauen: Lisa Barbelin (FRA) vs. Tatiana Andreoli (ITA) 6:0 (27-23, 27-25, 28-27)
Gold Frauen: Katharina Bauer (GER) vs. Elia Canales (ESP) 6:5 (26-27, 27-27, 27-25, 27-25, 29-30, 9-9)
Bronze Männer: Jean-Charles Valladont (FRA) vs. Baptiste Addis (FRA) 6:0 (28-27, 28-27, 28-26)
Gold Männer: Den Habjan Malavasic (SLO) vs. Mete Gazoz (TUR) 0:6 (25-29, 25-26, 28-30)

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