Deutsche Meisterschaften

DM Sportschießen München: Premierensiegerinnen und „Wiederholungstäter“

27.08.2021 18:46

Tag eins von Teil eins der Deutschen Meisterschaft Sportschießen in München brachte Premierensiege bei den Frauen und „Wiederholungstäter“ bei den Männern in den olympischen Disziplinen: Carina Wimmer und Christian Reitz (Luftpistole) sowie Tina Lehrich und Maximilian Dallinger (KK-Gewehr 3x40) sicherten sich die DM-Titel. Der Olympia-Fünfte Reitz sorgte mit einem phänomenalen neuen deutschen Rekord für den Höhepunkt.

Foto: DSB / Freuten sich über DM-Silber und -Gold: Monika Karsch und Carina Wimmer.
Foto: DSB / Freuten sich über DM-Silber und -Gold: Monika Karsch und Carina Wimmer.

Wimmer feiert doppelt
Besser hätte es für Carina Wimmer nicht laufen können: An ihrem 26. Geburtstag gewann die diesjährige Luftpistolen-Europameisterin und Olympia-Teilnehmerin souverän ihren ersten DM-Titel bei den Erwachsenen, auch wenn sie das selber so genau nicht wusste: „Ich glaube, es könnte sogar mein erster DM-Titel bei den Frauen sein“, sagte sie danach. Im Finale der besten acht Schützinnen übernahm sie mit dem siebten Schuss die Führung und gab diese nicht mehr her. Auf bis zu 4,8 Ringe baute sie den Vorsprung aus, ehe sie am Ende etwas „schwächelte“ und „nur“ noch 1,8 Ringe Vorsprung auf die zweitplatzierte Monika Karsch aufwies. „Es war nicht der perfekte Tag, weil es zum Teil auch chaotisch war, aber natürlich bin ich zufrieden. Vor drei Wochen hätte ich gesagt, die DM muss nicht sein, aber der Ehrgeiz ist wiedergekommen, und im Finale wollte ich dann auch wieder Zehner schießen. Und es war ein runder Abschluss dieser „Hammer-Saison“, auch wenn Olympia schon ein kleiner Rückschlag war. Es war nicht schlecht, aber ich war enttäuscht. Und die DM hat gezeigt: Ich kann es!“ Und auch die zwei anderen Tokio-Teilnehmerinnen mit der Pistole zeigten ihr Können, am Ende stand mit Carina Wimmer, Monika Karsch und Doreen Vennekamp das Tokio-Trio auf dem Treppchen. Alle waren zufrieden: Wimmer über ihr erstes DM-Gold, Karsch, die sich im Finale nach schwachem Start deutlich steigerte. Und Vennekamp, die als Sportpistolen-Spezialisten ihre erste Luftpistolen-Medaille gewann. Und Bundestrainerin Barbara Georgi, die sagte: „Ich freue mich, dass die drei Olympia-Teilnehmerinnen da vorne sind und dass Carina den vermeintlich schlechten Eindruck von Olympia widerlegt hat.“
In der Qualifikation setzten sich die Schützinnen von der führenden Julia Hochmuth (573 Ringe) bis Laura Fischinger (565 Ringe) auf Platz acht durch.

Es war ein runder Abschluss dieser „Hammer-Saison“!

Carina Wimmer über ihren ersten DM-Titel bei den Frauen

Foto: DSB / Maximilian Dallinger mit der Siegerfaust, Pascal Walter freut sich über Silber.
Foto: DSB / Maximilian Dallinger mit der Siegerfaust, Pascal Walter freut sich über Silber.

Dallinger offensiv zum DM-Titel
Er war der große Favorit und wurde dieser Rolle eindrucksvoll gerecht: Maximilian Dallinger setzte sich im KK-Gewehr 3x40-Wettbewerb die DM-Krone auf und zeigte sich zufrieden: „Das war zum Saisonabschluss geil. Ich wollte den Titel, den habe ich jetzt. Von daher bin ich jetzt sehr zufrieden.“ Zuvor hatte er das Finale vom ersten Schuss an dominiert. Grundlage waren zwei herausragende Fünfer-Serien im Kniend-Anschlag, die er mit 105,0 Ringen absolvierte und damit einen Vorsprung von 3,2 Ringen auf die Konkurrenz aufwies („Das war wunderbar und war für die Selbstsicherheit richtig gut.“). Sein Erfolgsrezept: „Man muss trotz der Favoritenrolle offensiv bleiben. Ich gehe an den Stand und will möglichst früh Abstand herstellen.“ Dieses „Polster“ benötigte er dann aber auch, denn nachdem er das Liegendschießen ebenfalls gut abwickelte, missrieten ihm die ersten fünf Schüsse im Stehend-Anschlag total: „Was im Stehend-Anschlag genau war, weiß ich nicht. Es fühlte sich schwammig an, es hat die Festigkeit im Anschlag gefehlt. Das war komisch, weil eigentlich im Finale der Stehend-Anschlag mein Paradeding ist. Ich war ein bisschen ratlos.“ Doch Dallinger fing sich, ließ auch stehend viele Zehner folgen und gewann mit 3,7 Ringen Vorsprung vor Pascal Walter und Colin Fix.
Max Braun hatte die Qualifikation mit 1177 Ringen gewonnen, Lukas Fischer war mit 1164 Ringen als Achter in das Finale eingezogen.

Man muss trotz der Favoritenrolle offensiv bleiben!

Maximilian Dallinger über seinen Umgang mit der Favoritenrolle

Lehrich stehend zum ersten Damen-Titel
Das Finale der Frauen sollte um einiges spannender verlaufen. Zunächst dominierte Isabella Straub das stark besetzte Achterfeld und hatte nach dem Kniend-Anschlag gute 2,8 Ringe Vorsprung auf Tina Lehrich. Doch die für den SV Wieckenberg startende Lehrich pirschte sich Schuss für Schuss an Straub heran, verkürzte den Rückstand nach dem Liegendschießen auf 1,3 Ringe und übernahm nach den ersten zwei Stehend-Schüssen (10,8 und 10,7) erstmals die Führung. Die wechselte in der Folge hin und her, mal führte Straub, mal Lehrich mit dem Minimal-Vorsprung von 0,1 Ringen. Erst mit den letzten drei Schüssen (10,4 / 10,1 / 10,3) machte Lehrich den Titel klar („Mein erster bei den Erwachsenen!“) und sich selbst einen Tag vor ihrem 25. Geburtstag das schönste Geschenk: „Der DM-Titel bedeutet mir viel, es ist eine Bestätigung, dass es doch geht.“ Dabei gab sie auch Einblicke in ihr Innerstes, als die entscheidende Phase des Finals anstand: „Die letzten Schüsse habe ich mich so auf meine Atmung kontrolliert, dass der Puls einigermaßen unten bleibt. Um dann im richtigen Moment abzudrücken. Vor dem letzten Schuss habe ich nur gedacht: sauber und schnell abziehen!“ Das gelang einwandfrei und soll auch adäquat gefeiert werden: „Wir gehen heute Abend ein paar Bierchen trinken. Nicht zu viel, weil morgen auch noch Luftgewehr ansteht, aber ein bisschen gefeiert wird die Medaille auf jeden Fall.“
Mit überragenden 1185 Ringen hatte sich Amelie Kleinmanns als Erste für das Finale qualifiziert, Melissa Ruschel zog als Achte (1171 Ringe) in das Finale ein.

Der DM-Titel bedeutet mir viel, es ist eine Bestätigung, dass es doch geht!

Tina Lehrich über die Bedeutung ihres ersten DM-Titels bei den Frauen

Reitz pulverisiert deutschen Rekord
Der Mann ist einfach ein Phänomen und lässt sich auch von einer Verletzung am Abzugsfinger nicht aufhalten. Christian Reitz schloss das letzte Finale des Tages mit einem Traum-Ergebnis ab: 245,1 Ringe und damit 3,3 Ringe mehr als der bisherige deutsche Rekord mit der Luftpistole – natürlich auch von ihm 2018 bei der DM aufgestellt – bedeuteten den zigsten DM-Titel für den 34-jährigen Ausnahmekönner. Mit dem Ergebnis hätte der Olympia-Fünfte übrigens auch Olympia-Gold in Tokio gewonnen…
Dabei ließ Reitz der versammelten deutschen Spitze im Finale nicht den Hauch einer Chance. Vom ersten bis zum 24. Schuss lag Reitz vorne und baute seinen Vorsprung immer weiter aus. Am Ende hatte er sagenhafte 5,7 Ringe Vorsprung vor dem zweitplatzierten Paul Fröhlich, Dritter wurde Robin Walter. „Es war schön, dass es mit diesem Ergebnis ausgegangen ist. Das Quäntchen Glück, das mir im Tokio bei dem ein oder anderen Schuss gefehlt hat, hatte ich jetzt. Es war vom Anfang bis Ende sehr konstant, der schlechteste Schuss war eine 9,6 – viel besser kann es im Finale nicht laufen.“
Und das, obwohl es während des Finals eine längere Unterbrechung aufgrund technischer Probleme gab. Und trotz seiner Fingerverletzung, „die ich mir beim Werkeln im Garten zuzog.“ Dass dies aber das Patentrezept für zukünftige Wettbewerbe sei, verneinte der neue Titelträger lachend.
Bereits in der Qualifikation hatte Reitz seine Dominanz gezeigt und mit 583 Ringen gewonnen, Paul Fröhlich qualifizierte sich mit 572 Ringen als achter Athlet für das Finale.

Viel besser kann es im Finale nicht laufen!

Christian Reitz über sein Fabel-Finale mit der Luftpistole

In den Nachwuchs- und weiteren Erwachsenenklassen gab es keine Finals. Die Titelträger und Medaillengewinner wurden nach der Qualifikation ermittelt. Alle Einzel- und Mannschaftssieger im Überblick.

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