Weltmeisterschaften
Junioren-WM Suhl: Hitze, Weltrekorde und der Heimvorteil
Am 17. Juni wurde die Junioren-Weltmeisterschaft in Suhl auf dem Marktplatz feierlich eröffnet, am 25. Juni fiel um 15.24 Uhr der letzte Wettkampfschuss. In dieser Zeit herrschte eine große Hitze, gab es viele Emotionen, 39 Weltmeister wurden gekürt und die ein oder andere Träne getrocknet. Eine WM-Bilanz.

„Der Weltverband ISSF kommt gerne mit seinen besten Nachwuchsschützen nach Suhl. Die Veranstaltung lief gut, die Athleten waren sehr zufrieden, deshalb gilt mein Dank allen Partnern sowie allen Helferinnen und Helfern, die zum Gelingen beigetragen haben. Eine Junioren-WM ist ein Höhepunkt im internationalen Kalender. Für uns als Verband war es eine Ehre, die über 800 Athleten aus 66 Ländern aus aller Welt zu begrüßen. Manche werden wir wohl auch bereits in Los Angeles 2028 sehen, die WM in Suhl war ein wichtiger Karriereschritt dafür!“ Sagt und bedankt sich DSB-Präsident Hans-Heinrich von Schönfels, der zweimal vor Ort war, um sich selbst einen Eindruck zu verschaffen.
Hitze: Kurze Hose, statt langer Unterhose
Die Fußball-WM 2006 in Deutschland wurde auch als so besonders empfunden, weil „Kaiser-Wetter“ herrschte. In Suhl wurde das getoppt: Sonne satt und Temperaturen über 30°C, wo sonst eher Kälte herrscht. Schnellfeuerpistolen-Bundestrainer Detlef Glenz brachte es auf den Punkt: „Die Bedingungen sind perfekt, aber vielleicht ist man in Suhl gewohnt, in langer Unterhose zu schießen und nicht in kurzer Hose.“ Um bei diesen Umständen Top-Leistungen zu erbringen, hatten die Athleten unterschiedliche Strategien: Natürlich waren Schattenplätze gefragt, nasse Handtücher oder Coolpacks und – ganz wichtig – die Flüssigkeitszufuhr: „Man muss sich gedanklich darauf einstellen, dass du schwitzen wirst und der Körper träge wird. Meine Taktik war viel zu trinken, dass du wach im Kopf bleibst. Ich habe nicht nachgemessen, aber ich denke schon, dass ich in der Finalhalle ein paar Kilo weggeschwitzt habe“, so Gewehrschütze Luis Eichenseer.
Medaillen: Indien vorne, ein Pole und ein Italiener überragen
Es kann niemanden überraschen, dass Indien abermals den WM-Medaillenspiegel anführt. Mit 84 Sportlerinnen und Sportlern stellte das Team vom Subkontinent das mit Abstand stärkste Team und hatte am Ende auch die meisten Medaillen auf dem Konto (7x Gold, 8x Silber, 9x Bronze). Das AIN-Team wurde Zweiter (6x Gold, 5x Silber, 3x Bronze) und die bärenstarken Flintenschützen Italiens sicherten Platz drei (6 Gold, 2 Silber, 2 Bronze). Polen erklomm mit 4 Gold- und einer Silbermedaille Rang vier. Und hatte dies vor allem Ivan Rakitski zu verdanken, der Gold im Luftpistolen-Einzel, Gold im Luftpistolen-Mixed und Gold im Luftpistolen-Team gewann. Dazu kamen noch vierte und fünfte Plätze mit der Schnellfeuer- und der Sportpistole, sodass Rakitski gemeinsam mit dem italienischen Dreifach-Weltmeister Francesco Tanfoglio (Trap) zum erfolgreichsten Athleten der WM avancierte. Das deutsche Team landete mit einem kompletten Medaillensatz auf dem zwölften Platz und gewann damit exakt eine Bronzemedaille weniger als vor zwei Jahren bei der WM in Lima/Peru.

Sport: Zahlreiche Weltrekorde in Suhl
Gerade die Flintenschützen waren der großen Hitze ausgesetzt – in den Runden konnten sie keine Schattenplätz aufsuchen. Vielleicht deshalb liefen sie besonders „heiß“, behielten dennoch einen kühlen Kopf und eine schnelle Hand und lieferten Weltrekorde ohne Ende. Den Anfang machte Skeetschützin Bethany Norton/GBR, die den Finalrekord um einen Treffer auf 34 (von 36 möglichen) erhöhte. Da wollte sich ihr italienischer Kollege Marco Coco nicht lumpen lassen und schoss das gleiche Ergebnis bei den Junioren. Und in der Trap-Konkurrenz egalisierte der Brasilianer Hussein Daruich mit 124 Treffern zunächst den Qualifikations-Weltrekord, ehe sich der italienische Europameister Francesco Tanfoglio mit 28 von 30 möglichen Treffern neben dem WM-Titel auch den Final-Weltrekord holte. Gleiches gelang ihm im Mixed-Finale an der Seite von Maria Iovninella. Und dann gab es noch den US-Boy Griffin Lake, der im Liegendschießen mit dem Kleinkaliber-Gewehr auf 50m den bisherigen Weltrekord pulverisierte. Den hielt bis dato der DSB-Athlet Christoph Kaulich mit 629,3 Ringen, aufgestellt bei der WM 2014 in Granada/ESP. Lake schraubte diesen auf 632,1 Ringe, und man darf gespannt sein, ob dieser noch länger hält als der von Kaulich.
Deutsches Team: Drei Medaillen und starke Platzierungen
Das deutsche Team war beim Heimspiel mit 50 Athletinnen und Athleten vertreten, die sich größtenteils mit starken Leistungen hervortaten. Natürlich gilt das für die Medaillengewinner – das Weltmeisterteam Luis Eichenseer, Benedikt Ascher und Florian Beer mit dem Luftgewehr, das Bronzeteam Raphael Hapke, Maximilian Seibel und Valentin Woestmeyer im Skeet und das Silber-Duo Annabelle Lotter & Benedikt Ascher im Luftgewehr Mixed – aber auch Finalteilnahmen wie von Luis Eichenseer (Luftgewehr) und Tobias Wenzel (Skeet) oder Platzierungen in der Nähe des Finaleingangs wie von Pius Rosenecker und Karla Riehmann im Einzel und Mixed (Trap), Luise Middel, Vladislav Poddubskiy (Skeet), Aileen Pitschke (Sportpistole), Katrin Grabowski und Alexander Karl (KK liegend) zeigen: der deutsche Schützennachwuchs ist international wettbewerbsfähig. Zumal zahlreiche WM-Debütanten im Team standen und der Heimvorteil sicherlich nicht nur Vorteile bringt, auch wenn Skeetschütze Valentin Woestmeyer sagt „Der Heimvorteil ist super, aber die Bedingungen waren nicht leicht!“
Aileen Pitschke, beste deutsche Pistolenschützin und neben Theresa Schnell (Gewehr) und Annabell Hettmer (Flinte) eines der Cover-Girls für das WM-Plakat spricht mit ihrem Fazit sicherlich vielen Athletinnen und Athleten aus dem Herzen: „Eine super WM! Ich habe sehr viel dazugelernt und konnte meine Leistung bei meiner ersten WM abrufen. Was will man mehr?!“
Atmosphäre: Volle Zuschauerränge bei allen Finals
Sicherlich hätte man sich den einen oder anderen externen Zuschauer mehr auf der Anlage gewünscht, denn es wurde attraktiver Schießsport von zukünftigen Olympia-Teilnehmern geboten. Der Stimmung tat dies jedoch überhaupt keinen Abbruch, denn die Finals waren stets „ausverkauft“ (es gab freien Eintritt), da die Schießsport-Familie natürlich zahlreich und lautstark vertreten war. Ein Schulausflug von Schülern der fünften und sechsten Klasse aus Suhl mit 100 Kindern sowie der Wettbewerb „Faszination Lichtschießen“ mit über 140 Nachwuchsschützen sorgte für viel frischen Wind. Und vielleicht sieht man das ein oder andere Talent in den nächsten Jahren dann im DSB-Shirt auf der großen Bühne.
Die soll im nächsten Jahr auch wieder in Suhl sein, wenn vom 19. bis 27. Juni erneut ein Junioren-Weltcup auf dem Friedberg steigen soll. Zudem trifft sich die Weltspitze der Juniorinnen und Junioren in Zigong/China – dort findet vom 19. bis 29 November die nächste Junioren-Weltmeisterschaft statt, und hoffentlich gibt es dann ebenso positive Nachrichten zu vermelden wie aus Suhl.
Das deutsche WM-Team in Suhl
Flinte: Luise Middel (Wiesbaden), Carlotta Wahl (Suhl), Emilie Bundan (Freren), Maxima Sagel (Paderborn), Jette Stöver (Wildeshausen), Maximilian Seibel (Freren), Valentin Woestmeyer (Saerbeck), Vlad Poddubskiy (Sprendlingen), Tobias Wenzel (Ibbenbüren), Magnus Erdmann (Suhl-Schmiedefeld), Raphael Hapke (Wedemark, alle Skeet), Till Reichardt (Schenklengsfeld), Pius Rosenecker (Dürrwangen), Henry John (Friemar), Ruben Fabisch (Kambs), Nolan Peters (Krakow am See), Lukas Racko (Wittstock), Karla Riehmann (Gotha), Frieda Fahr (Zella-Mehlis), Josefine Schwenzfeier (Hohenwarsleben), Lea Blank (Iffeldorf, alle Trap)
Gewehr: Florian Beer (Mähring, LG & KK), Benedikt Ascher (Waldkirchen, LG & KK), Alexander Karl (Eschede, LG & KK), Moritz Faltinat (Wunstorf, LG & KK), Luis Eichenseer (Neumarkt, LG), Finnja Rentmeister (Voerde, LG & KK), Xenia Mund (München, LG & KK), Katrin Grabowski (Niedernhausen-Engenhahn, KK), Anabell Dörsam (Fürth, KK), Annabelle Lotter (München, LG), Theresa Schnell (Thalmässing, LG)
Pistole: Colin Hilk (Mittenaar-Ballersbach, SFP), Fynn Kramer (Heidelberg, SFP), Fiete Kühn (Frankfurt/Oder, SFP), Phillip Liebrecht (Isernhagen, SFP), Arne Schallus (Suhl, SFP), Ben Spangenberg (Niederaula, SFP), Leon Kabisch (Treplin, LP), David Obenaus (Plessa OT Kahla, LP), Lucas Struck (Frankfurt/Oder, LP), Tjark Buchwald (Neumünster, LP), Moritz Steiner (Gundelfingen, LP), Anakin Sarrach (Booßen, LP), Aileen Pitschke (Erfurt, LP & SP), Franziska Thürmer (Witzenhausen, LP & SP), Lydia Böhmer (Mönchengladbach, SP), Lucy Wernecke (Dresden, SP), Ronja Gmeinder (Weinried, LP), Franziska Abram (Brilon, LP & SP)
LG = Luftgewehr, KK = Kleinkaliber-Dreistellungskampf, SFP = Schnellfeuerpistole, LP = Luftpistole, SP = Sportpistole
Weiterführende Links
Weitere News zu "ISSF Weltmeisterschaft Junioren"
- Weltcup München & Junioren-WM Suhl: Presse-Akkreditierung gestartet
- WM- & EM-Qualifikation Dortmund: Junioren-Bundestrainer machen Nominierungsvorschläge
- WM-Qualifikation Wiesbaden: Skeet- und Trap-Nachwuchs will zur Junioren-WM
- Junioren-WM Suhl: Der Höhepunkt des Jahres
- WM-Qualifikation Suhl: Wer wird für die Junioren-WM nominiert?
- WM-Qualifikation Suhl: 21 Flinten-Junioren zur Nominierung vorgeschlagen
- Junioren-WM Suhl: 49 DSB-Athleten bei WM am Start
- Junioren-WM Suhl: Über 800 Athleten aus 66 Nationen
- Junioren-WM Suhl: Die Entwicklung der Nachwuchs-Weltmeisterschaften
- Junioren-WM Suhl: Die Vorbereitung läuft
- Junioren-WM Suhl: Eröffnungsfeier und Livestream von allen Finals
- Junioren-WM Suhl: "Wir wollen Spaß haben!"
- Junioren-WM Suhl: Der Zeitplan mit allen Finals
- Junioren-WM Suhl: Die Bundestrainer stellen ihr Team vor
- Junioren-WM Suhl: Podcast mit Karla Riehmann & Arne Schallus
- Junioren-WM Suhl: Die letzten Fakten & Zahlen
- Junioren-WM Suhl: Die WM ist eröffnet
- Junioren-WM: Der erste Titel geht an Indien
- Junioren-WM Suhl: WM-Titel für AIN und Indien
- Junioren-WM Suhl: Skeet-Junioren mit Finalteilnahme und Medaille
- Junioren-WM Suhl: Luftgewehr-Junioren sind Weltmeister
- Junioren-WM Suhl: Polnischer Pistolen-Universalist ganz oben
- Junioren-WM Suhl: Trap-Schützen mit Aussichten
- Junioren-WM Suhl: Silber für Lotter & Ascher im Luftgewehr Mixed
- Junioren-WM Suhl: Starker Abschluss mit Platz sechs
