Weltmeisterschaften

Junioren-WM Suhl: Luftgewehr-Junioren sind Weltmeister

21.06.2026 17:09

Bei der Junioren-WM in Suhl erklang bei der Medaillen-Zeremonie erstmals die deutsche Nationalhymne: Luis Eichenseer (Neumarkt), Florian Beer (Mähring) und Benedikt Ascher (Waldkirchen) sicherten sich mit dem Luftgewehr den WM-Titel im Team. Dazu kamen mit den Rängen fünf für Eichenseer sowie elf für Sportpistolen-Schützin Aileen Pitschke (Erfurt) zwei hervorragende Platzierungen.

Foto: DSB / Weltmeister! Florian Beer, Luis Eichenseer und Benedikt Ascher strahlen mit der Sonne um die Wette.
Foto: DSB / Weltmeister! Florian Beer, Luis Eichenseer und Benedikt Ascher strahlen mit der Sonne um die Wette.

Luftgewehr Junioren: Die „Löwen“ holen sich den Titel
Seit dem heutigen Tag können sich Luis Eichenseer, Florian Beer und Benedikt Ascher Weltmeister nennen. Das Trio gewann den Team-Titel mit dem Luftgewehr und war natürlich hellauf begeistert: „Das ist richtig geil! Das ist so ein Punkt, den sich jeder Sportler wünscht. Olympia ist nochmals eine Stufe höher, aber Weltmeister ist eine richtig coole Sache, da reiht man sich mit vielen Größen ein“, jubelte Beer. Gemeinsam mit seinen Teamkollegen kam er auf 1877,6 Ringe und lag damit auf Rang zwei nach Ende des Wettkampfes. Doch kurz danach erschien auf der Anzeigetafel die Eins vor dem deutschen Team, da der Inder Abhinav Shaw disqualifiziert wurde - seine Kleidung entsprach nicht den vorgegebenen Steifigkeitsregeln. „Ich bin ein bisschen zwiegespalten. Wir haben uns als Vize-Weltmeister ein Loch in den Bauch gefreut. Jetzt auf diese Art und Weise Weltmeister zu werden, ist nicht so schön, wie selbst geschossen“, zeigte Bundestrainerin Claudia Kulla Mitgefühl mit den Indern. Eichenseer stufte den Erfolg ebenfalls im höchsten Regal ein: „Der WM-Titel ist noch einmal eine andere Hausnummer als der EM-Titel in diesem Jahr. Der war auch nicht vorgesehen (mit Ascher und Luca Preisinger, Anm. d. Red.), meine Kollegen haben gut geschossen, ich habe gut geschossen – wir haben es den anderen Ländern gezeigt.“ Silber ging an die USA, Bronze an Österreich.
Der Titel war zweifellos verdient für das deutsche Team, denn alle drei Schützen gaben in den Durchgängen eins (Eichenseer), zwei (Ascher) und drei (Beer) alles fürs Team: „Der Wettkampf war hart, schwer, aber wir haben gekämpft wie Löwen. Wir wussten, wir haben gute Chancen, weil wir zu dritt stark waren in den letzten Wochen und Monaten“, meinte Beer und schob noch eine weitere Erklärung hinterher: „Nach Peru vor zwei Jahren nochmals eine WM-Medaille zu holen (2024 war es Bronze für Beer, Justus Ott und Nils Palberg), ist mega. Es ist eine Bestätigung von einer Leistung und das von drei Sportlern, sodass man sagen kann: es ist verdient.“

Und auch im Einzelfinale zeigte Eichenseer seine Klasse. Obwohl es das erste große Finale für den 19-Jährigen war, schien ihn das nicht zu beeindrucken, denn nach der ersten Fünferserie war er ganz vorne, und das, obwohl er sich nicht ganz wohlfühlte: „Am Anfang hatte ich schon Angst, weil man weiß, was die internationale Konkurrenz schießt. Das ist in den letzten Jahren extrem nach oben gegangen. Ich habe es mir aber schlimmer vorgestellt, ich hatte an manchen Stellen sogar Spaß.“ Dabei ging seine Taktik auf, die er sich zuvor zurechtgelegt hatte: „Ich wollte nicht lange in der Mitte stehen und denken, einfach machen und abziehen.“ Das gelang prächtig, denn Eichenseer befand sich immer in den Medaillenrängen, ehe er in dem extrem engen Teilnehmerfeld im 17. Schuss eine 9,7 schoss und somit auf den fünften Rang zurückfiel, der es letztlich auch wurde: „Natürlich kam ab und zu der Gedanke, eine Medaille im Einzel holen zu können. Das ist ärgerlich, dass ich es nicht geschafft habe, aber ich bin trotzdem sehr zufrieden. Ich hätte nie erwartet, dass ich unter die Top Fünf in der Welt bin und Weltmeister werde. Ich habe meine Erwartungen komplett erfüllt.“
Die fünf deutschen Teilnehmer hatten sich in der Qualifikation bei erneut drückender Hitze viel vorgenommen. Und Luis Eichenseer zeigte sich im ersten von insgesamt drei Durchgängen - insgesamt legten 103 Schützen mit dem Luftgewehr an - hellwach: Der 19-Jährige startete mit einer 104,7 und ließ drei weitere Serien in dieser Höhe bzw. größer (Top-Wert 105,8) folgen. Dann ließ ein wenig die Konzentration nach und er schloss mit zwei etwas schwächere Serien ab, dennoch waren seine 628.2 Ringe ein ganz starker Wert und bedeuteten Platz sechs und die Finalteilnahme. Florian Beer hatte von Beginn an zu kämpfen, riss sich aber auch nach schwächeren Schüssen zusammen und beendete den Wettkampf mit einer starken 105,3 letztlich auf Rang 16 (626,1). Benedikt Ascher schoss vier Serien ebenfalls stark, ließ dann aber vor allem in den letzten zehn Schuss Ringe liegen (102,1) und musste sich somit letztlich mit 625,1 Ringen und Platz 31 zufriedengeben. Alexander Karl (619,6 - 63. Platz) und Moritz Faltinat (611,8 - 84. Platz) hatten sich sicherlich bessere Ergebnisse vorgestellt, freuten sich aber mit ihren Teamkollegen über den großartigen Erfolg.

Sportpistole Juniorinnen: Aileen Pitschke fehlen zwei Ringe zum Finale
Im Finale mit der Sportpistole war die Wahrscheinlichkeit hoch, dass die ein oder andere Medaille an Sportlerinnen aus AIN gehen wird. Denn gleich drei Athletinnen standen im Achterfinale. Und so kam es dann auch: Katsiaryna Ivanova siegte, ihre Landsfrau Valeriia Ganakova gewann Bronze. Den kompletten Medaillensatz für AIN verhinderte die Norwegerin Ane Torgersen, die sich ab sofort Vize-Weltmeisterin nennen darf.
Das deutsche Quintett verließ zufrieden den Stand in der Qualifikation. Denn alle Schützinnen konnten sich im Vergleich zum Vortag steigern, vier der fünf DSB-Schützinnen kletterten im Abschlussranking. Allen voran Aileen Pitschke, die vor dem Duell-Teil auf Rang 15 mit drei Ringen Rückstand auf den Finaleingang lag. Und die Erfurterin – ein „Cover-Girl“ auf dem offiziellen WM-Plakat – schoss stark, erzielte 289 Ringe und verbesserte sich auf Position elf. Zwei Ringe fehlten, um in der Finalhalle um die Medaillen zu schießen, dennoch war sie glücklich: „Der Duell-Teil mit 289 Ringen lief echt gut. Ich war sehr aufgeregt, konnte die Aufregung aber gut steuern und habe meine persönliche Bestleistung beim Saison-Höhepunkt eingestellt. was will man mehr?“ Die zwei fehlenden Ringe hatte sie schnell ausgemacht: „Ich habe eine Sieben und eine Acht geschossen. Die zwei Ringe zum finale sind natürlich schade, aber Elfte in der Welt – da kann ich stolz sein“, so Pitschke, die zur WM auf „ihrem“ Stand sagt: „Es ist schon besonders, weil man jeden Tag hier ist und den Stand in- und auswendig kennt.“
Bundestrainerin Jördis Grabe zeigte sich mit allen ihren Schützinnen zufrieden, auch wenn der reine Blick auf die Platzierungen von Franziska Abram (563, 42. Platz), Franziska Thürmer (555, 52. Platz), Lucy Wernecke (555, 53. Platz) und Lydia Böhmer (545, 62. Platz) das nicht unbedingt hergibt: „Franziska hat das Vertrauen absolut bestätigt, und auch die anderen haben ihr Bestes gegeben und den Wettkampf ordentlich zu Ende gebracht.“

Foto: DSB / Mit persönlicher Bestleistung zu Platz elf bei der WM: Sportpistolen-Schützin Aileen Pitschke.
Foto: DSB / Mit persönlicher Bestleistung zu Platz elf bei der WM: Sportpistolen-Schützin Aileen Pitschke.

Sportpistole Junioren: „Ergebniskosmetik“ durch DSB-Sextett
Bei den männlichen Junioren gab es nach einem schwachen ersten Halbprogramm am gestrigen Samstag nur eine Devise: besser machen! Das gelang allen sechs Schützen, die sich zum Teil beträchtlich steigerten. Colin Hilk verbesserte sich z.B.um 13 Ringe, Arne Schallus um zwölf. Bleibt die Frage, warum nicht von Anfang an… So mussten sich Schallus (564, 40. Platz), Ben Spangenberg (561, 42. Platz), Hilk (557, 43. Platz), Fiete Kühn (556, 44. Platz), Fynn Kramer (551, 49. Platz) und Phillip Liebrecht (546, 53. Platz) mit hinteren Rängen zufriedengeben. Der Titel ging an den Italiener Liang Xi Savorani, der sich vor dem Nordkoreaner Kwang Rim Kim und dem Ukrainer Vladyslav Medushevskyi durchsetzte.

Am 22. Juni stehen folgende Wettkämpfe auf dem Programm

  • Trap Juniorinnen Qualifikation Teil 1
  • Trap Junioren Qualifikation Teil 1
  • Luftpistole Junioren Qualifikation und Finale (16.00 Uhr)

Das deutsche WM-Team in Suhl
Flinte: Luise Middel (Wiesbaden), Carlotta Wahl (Suhl), Emilie Bundan (Freren), Maxima Sagel (Paderborn), Jette Stöver (Wildeshausen), Maximilian Seibel (Freren), Valentin Woestmeyer (Saerbeck), Vlad Poddubskiy (Sprendlingen), Tobias Wenzel (Ibbenbüren), Magnus Erdmann (Suhl-Schmiedefeld), Raphael Hapke (Wedemark, alle Skeet), Till Reichardt (Schenklengsfeld), Pius Rosenecker (Dürrwangen), Henry John (Friemar), Ruben Fabisch (Kambs), Nolan Peters (Krakow am See), Lukas Racko (Wittstock), Karla Riehmann (Gotha), Frieda Fahr (Zella-Mehlis), Josefine Schwenzfeier (Hohenwarsleben), Lea Blank (Iffeldorf, alle Trap)
Gewehr: Florian Beer (Mähring, LG & KK), Benedikt Ascher (Waldkirchen, LG & KK), Alexander Karl (Eschede, LG & KK), Moritz Faltinat (Wunstorf, LG & KK), Luis Eichenseer (Neumarkt, LG), Finnja Rentmeister (Voerde, LG & KK), Xenia Mund (München, LG & KK), Katrin Grabowski (Niedernhausen-Engenhahn, KK), Anabell Dörsam (Fürth, KK), Annabelle Lotter (München, LG), Theresa Schnell (Thalmässing, LG)
Pistole: Colin Hilk (Mittenaar-Ballersbach, SFP), Fynn Kramer (Heidelberg, SFP), Fiete Kühn (Frankfurt/Oder, SFP), Phillip Liebrecht (Isernhagen, SFP), Arne Schallus (Suhl, SFP), Ben Spangenberg (Niederaula, SFP), Leon Kabisch (Treplin, LP), David Obenaus (Plessa OT Kahla, LP), Lucas Struck (Frankfurt/Oder, LP), Tjark Buchwald (Neumünster, LP), Moritz Steiner (Gundelfingen, LP), Anakin Sarrach (Booßen, LP), Aileen Pitschke (Erfurt, LP & SP), Franziska Thürmer (Witzenhausen, LP & SP), Lydia Böhmer (Mönchengladbach, SP), Lucy Wernecke (Dresden, SP), Ronja Gmeinder (Weinried, LP), Franziska Abram (Brilon, LP & SP)

LG = Luftgewehr, KK = Kleinkaliber-Dreistellungskampf, SFP = Schnellfeuerpistole, LP = Luftpistole, SP = Sportpistole

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