Weltmeisterschaften
Junioren-WM Suhl: Silber für Lotter & Ascher im Luftgewehr Mixed
Am vorletzten Tag der Junioren-WM in Suhl geizten die deutschen Athleten nicht mit hervorragenden Leistungen: Annabelle Lotter & Benedikt Ascher sorgten mit Silber im Luftgewehr Mixed für die dritte deutsche WM-Medaille. Zudem konnten die Trap-Schützen Pius Rosenecker als Neunter und Karla Riehmann als 14. sowie das Luftgewehr-Duo Theresa Schnell & Luis Eichenseer als ebenfalls Spitzenergebnisse und -Platzierungen landen.

Luftgewehr Mixed: Silberglanz für Lotter & Ascher
Im Finale der besten vier Teams standen die Inder Abhinav Shaw & Shambhavi Kshirsagar, die Norweger Jens Oestli & Pernille Nor-Woll, die Polen Jakub Goliszek & Maja Gawenda – und Annabelle Lotter & Benedikt Ascher. Das Duo hatte sich in der Qualifikation sensationell geschlagen und griff nun im Finale nach der dritten deutschen Medaille bei der WM in Suhl. Und schnell stellte sich heraus, die Medaille wird Realität. Denn es entwickelte sich eine Dreiklassengesellschaft. Die Inder schossen wie von einem anderen Stern und stellten am Ende mit 505,8 Ringen einen neuen Fabel-Weltrekord auf, dahinter setzte sich erfreulicherweise das DSB-Duo schnell von der Konkurrenz ab. Nach der zweiten Fünferserie betrug der Vorsprung auf die drittplatzierten Polen bereits 2,9 Ringe – eine Welt im Luftgewehrschießen: „Ich hätte es deutlich enger erwartet, aber ich habe mich auf mich konzentriert und auf mein Schießen“, so Lotter hinterher. Das deutsche Team harmonierte dabei prächtig: Zunächst glänzte Ascher mit einer 53,0, in der zweiten Serie war es Lotter, die mit 53,1 punkten konnte: „Heute hat die Chemie definitiv gestimmt. Wir trainieren ja auch in Bayern miteinander. Es hat heute definitiv gepasst“, so Ascher nach dem Silber-Coup. Denn dieser nahm immer konkretere Formen an, nach der dritten Fünferserie betrug der Vorsprung auf die nächsten Verfolger bereits 5,3 Ringe, sodass der Rest nur noch Formsache war, Lotter jubelte nach dem letzten Schuss über ihre erste Medaille bei ihrer ersten WM: „Super, das fühlt sich richtig cool an und hat Spaß gemacht, vor allem, es zu teilen.“ WM-Debütant Ascher, der bereits im Team Gold gewonnen hatte, verneinte, dadurch weniger Druck zu haben: „Es war nicht einfacher, weil ich mir das Finale unbedingt in den Kopf gesetzt habe.“ Am Ende fahren die deutschen Gewehrschützen mit einmal Gold und einmal Silber zurück, für Ascher ein großer Erfolg: „Ich bin definitiv zufrieden mit der WM. Ich hätte nicht gedacht, dass wir mit einer Team-Goldmedaille nach Hause fahren. Dass wir mit dem Luftgewehr gut drauf sind, haben wir schon bei der EM in Bulgarien gezeigt, dass es aber so gut klappt, hätte ich nicht gedacht.“
In der Qualifikation hatten Lotter & Ascher den hervorragenden zweiten Platz belegt. Konstante Serien und hohe Zehner sorgten für die 628,7 Ringe, die nur vom überragenden Team Indien 1 übertroffen wurden: „Ich dachte, es wird schwieriger, weil ich die Chinesen und die anderen Teams höher eingeschätzt habe, aber es freut mich umso mehr, dass es gereicht hat“, meinte Lotter danach. Ascher gab zu, dass es ihm nicht so leicht gefallen war: „Es war ein echter Kampf heute Vormittag.“ Das zweite DSB-Duo, Theresa Schnell & Luis Eichenseer, schossen ebenfalls stark. Fünf der sechs Serien waren finalwürdig, leider missriet Schnell die zweite Zehnerserie komplett (101,9), sodass am Ende „nur“ 626,1 Ringe und Platz 13 heraussprangen.
Trap Junioren: Pius Rosenecker scheitert erst im Shootoff
Der Brasilianer Hussein Daruich hatte in der Qualifikation brilliert und mit 124 Treffern den Weltrekord eingestellt. Doch das half ihm im Finale nicht, dort scheiterte er früh und schied als Siebter aus. Besser machten es dort drei Südeuropäer: Der italienische Europameister Francesco Tanfoglio holte sich mit der Einstellung des Finalrekords und 28 Treffern auch den WM-Titel. Der Spanier Eduard Salichs gewann Silber vor Luca Gerri, dem zweiten Italiener.
Pius Rosenecker wusste vor den letzten 25 Scheiben der Qualifikation, dass er hoch schießen muss: „Ich wusste die Ergebnisse vorher, aber nicht, wie viel Treffer ich für das Finale benötige.“ Die Beobachter auf der Tribüne, wie der gesamte Trainerstab um Bundestrainer Uwe Möller, schon: Eine „Volle“ sollte es sein, aber die 16. Scheibe der fünften Serie und die insgesamt 116. seiner 125 Qualifikationsscheiben flog unberührt gen Thüringer Wald. Mit 120 Treffern verließ der 19-Jährige den Stand, und es begann das große Zittern. Am Ende reichte es zum geteilten siebten Platz mit fünf weiteren Schützen, sodass es ein Shootoff um die zwei letzten Finalplätze gab. „Ich war sehr angespannt, aber ich hatte vor zwei Jahren bei der EM schon ein Shootoff, da war ich deutlich nervöser“, so Rosenecker danach. Obwohl er also nicht hyperaufgeregt war, verfehlte er die zweite Scheibe und verpasste somit das Finale der besten acht Schützen: „Im Shootoff ist es natürlich blöd, wenn man daneben trifft, dann ist es meistens der Genickbruch“, sagte Rosenecker, der als Neunter dennoch ein hervorragendes WM-Ergebnis verbuchen konnte: „Mit dem Vorkampfergebnis bin ich sehr zufrieden. Bei der Heim-WM hat man natürlich den Anspruch besonders gut zu schießen; man ist auf dem Heimstand und hat viele Bekannte um sich herum. Und ich hätte natürlich gerne im Finale gestanden.“ Auch die anderen DSB-Junioren schlugen sich wacker, allen voran der erst 16-jährige Nolan Peters, der mit einer perfekten 25 die WM beendete und auf Platz 30 (116 Treffer) landete. Henry John kam auf die gleiche Trefferzahl (32. Platz), Ruben Fabisch (113, 51. Platz), Lucas Racko (110, 68. Platz) und Till Reichhardt (109, 77. Platz) hielten sich in dem 89er Teilnehmerfeld mehr als ordentlich.
In der Teamwertung landete das Trio Rosenecker, John und Racko auf Platz sechs, Weltmeister wurde Italien vor Spanien und der Türkei.

Trap Juniorinnen: Neuer Final-Weltrekord durch Italienerin Archetti
Bereits nach dem vorletzten Finalschuss ballte Valentina Archetti die Faust. Mit ihrem 27 Treffer von 29 möglichen war sie von der einzig verbliebenen Konkurrentin, der Kasachin Eleonora Ibragimova, nicht mehr einzuholen. Dass die Italienerin anschließend auch noch einen 28. Treffer setzte, rundete das Ganze nochmals ab, denn dies bedeutete einen neuen Finalrekord bei den Trap-Juniorinnen. Rang drei ging an Kseniia Samofalova (AIN).
„Oh, Mist!“ Das waren die Gedanken von Karla Riehmann nach ihrer ersten Scheibe im finalen Qualifikationsdurchgang. Denn diese verfehlte sie und vergab damit die wohl minimale Chance auf das Erreichen des Finals frühzeitig. Wie die 17-Jährige dann aber den Fokus behielt und nicht die Nerven verlor, war stark. Denn die nächsten 23 Scheiben zerplatzten („Ich habe versucht, weiter meinen Rhythmus durchzuarbeiten.“), ehe sie die letzte wieder verfehlte: „Ich habe nicht versucht, es zu erzwingen, sondern sie wie jede andere Scheibe auch anzugehen, aber manchmal klappt es doch nicht.“ Mit ihren 112 Treffern und Platz 15 - der Finaleingang war bei 114 Treffern - zeigte sie sich mehr als einverstanden: „Ich bin sehr zufrieden. Den letzten Wettkampf in Suhl hatte ich auch 112 Treffer, ich konnte meine Leistung also auch international zeigen. Klar war es bei manchen Fehlern sehr ärgerlich, aber im Endeffekt kann ich sehr zufrieden sein. Ich habe mich von meiner guten Seite gezeigt!“ Das taten größtenteils auch die drei anderen DSB-Juniorinnen, die auf den Plätzen 20 (Josephine Schwenzfeier 110,), 30 (Frieda Fahr 108) und 36 (Lea Blank 106) landeten. In der Teamwertung reichte es für Riehmann, Fahr und Blank zu Platz acht, der Titel ging an Kasachstan, gefolgt von Italien und AIN.
Am 25. Juni stehen folgende Wettkämpfe auf dem Programm
- Trap Mixed Qualifikation und Finale (15.00 Uhr)
- 50m Pistole Juniorinnen und Junioren
Das deutsche WM-Team in Suhl
Flinte: Luise Middel (Wiesbaden), Carlotta Wahl (Suhl), Emilie Bundan (Freren), Maxima Sagel (Paderborn), Jette Stöver (Wildeshausen), Maximilian Seibel (Freren), Valentin Woestmeyer (Saerbeck), Vlad Poddubskiy (Sprendlingen), Tobias Wenzel (Ibbenbüren), Magnus Erdmann (Suhl-Schmiedefeld), Raphael Hapke (Wedemark, alle Skeet), Till Reichardt (Schenklengsfeld), Pius Rosenecker (Dürrwangen), Henry John (Friemar), Ruben Fabisch (Kambs), Nolan Peters (Krakow am See), Lukas Racko (Wittstock), Karla Riehmann (Gotha), Frieda Fahr (Zella-Mehlis), Josefine Schwenzfeier (Hohenwarsleben), Lea Blank (Iffeldorf, alle Trap)
Gewehr: Florian Beer (Mähring, LG & KK), Benedikt Ascher (Waldkirchen, LG & KK), Alexander Karl (Eschede, LG & KK), Moritz Faltinat (Wunstorf, LG & KK), Luis Eichenseer (Neumarkt, LG), Finnja Rentmeister (Voerde, LG & KK), Xenia Mund (München, LG & KK), Katrin Grabowski (Niedernhausen-Engenhahn, KK), Anabell Dörsam (Fürth, KK), Annabelle Lotter (München, LG), Theresa Schnell (Thalmässing, LG)
Pistole: Colin Hilk (Mittenaar-Ballersbach, SFP), Fynn Kramer (Heidelberg, SFP), Fiete Kühn (Frankfurt/Oder, SFP), Phillip Liebrecht (Isernhagen, SFP), Arne Schallus (Suhl, SFP), Ben Spangenberg (Niederaula, SFP), Leon Kabisch (Treplin, LP), David Obenaus (Plessa OT Kahla, LP), Lucas Struck (Frankfurt/Oder, LP), Tjark Buchwald (Neumünster, LP), Moritz Steiner (Gundelfingen, LP), Anakin Sarrach (Booßen, LP), Aileen Pitschke (Erfurt, LP & SP), Franziska Thürmer (Witzenhausen, LP & SP), Lydia Böhmer (Mönchengladbach, SP), Lucy Wernecke (Dresden, SP), Ronja Gmeinder (Weinried, LP), Franziska Abram (Brilon, LP & SP)
LG = Luftgewehr, KK = Kleinkaliber-Dreistellungskampf, SFP = Schnellfeuerpistole, LP = Luftpistole, SP = Sportpistole
Weiterführende Links
Weitere News zu "ISSF Weltmeisterschaft Junioren"
- Weltcup München & Junioren-WM Suhl: Presse-Akkreditierung gestartet
- WM- & EM-Qualifikation Dortmund: Junioren-Bundestrainer machen Nominierungsvorschläge
- WM-Qualifikation Wiesbaden: Skeet- und Trap-Nachwuchs will zur Junioren-WM
- Junioren-WM Suhl: Der Höhepunkt des Jahres
- WM-Qualifikation Suhl: Wer wird für die Junioren-WM nominiert?
- WM-Qualifikation Suhl: 21 Flinten-Junioren zur Nominierung vorgeschlagen
- Junioren-WM Suhl: 49 DSB-Athleten bei WM am Start
- Junioren-WM Suhl: Über 800 Athleten aus 66 Nationen
- Junioren-WM Suhl: Die Entwicklung der Nachwuchs-Weltmeisterschaften
- Junioren-WM Suhl: Die Vorbereitung läuft
- Junioren-WM Suhl: Eröffnungsfeier und Livestream von allen Finals
- Junioren-WM Suhl: "Wir wollen Spaß haben!"
- Junioren-WM Suhl: Der Zeitplan mit allen Finals
- Junioren-WM Suhl: Die Bundestrainer stellen ihr Team vor
- Junioren-WM Suhl: Podcast mit Karla Riehmann & Arne Schallus
- Junioren-WM Suhl: Die letzten Fakten & Zahlen
- Junioren-WM Suhl: Die WM ist eröffnet
- Junioren-WM: Der erste Titel geht an Indien
- Junioren-WM Suhl: WM-Titel für AIN und Indien
- Junioren-WM Suhl: Skeet-Junioren mit Finalteilnahme und Medaille
- Junioren-WM Suhl: Luftgewehr-Junioren sind Weltmeister
- Junioren-WM Suhl: Polnischer Pistolen-Universalist ganz oben
- Junioren-WM Suhl: Trap-Schützen mit Aussichten
