Weltmeisterschaften

Junioren-WM Suhl: Skeet-Junioren mit Finalteilnahme und Medaille

20.06.2026 16:04

Der Bann ist gebrochen, am dritten Tag der Junioren-WM in Suhl gab es die erste deutsche Finalteilnahme und die erste Medaille: Zuständig dafür waren die männlichen Skeetschützen. Tobias Wenzel belegte den hervorragenden siebten Platz, das Trio Valentin Woestmeyer, Maximilian Seibel und Raphael Hapke gewann Bronze im Team.

Foto: DSB / Er ließ eine Scheibe nach der anderen zerplatzen: Tobias Wenzel stand bei seinem ersten internationalen Auftritt gleich im Finale und belegte den hervorragenden 7. Platz.
Foto: DSB / Er ließ eine Scheibe nach der anderen zerplatzen: Tobias Wenzel stand bei seinem ersten internationalen Auftritt gleich im Finale und belegte den hervorragenden 7. Platz.

Skeet Junioren: Der Jüngste ganz stark
15 Jahre jung ist Tobias Wenzel erst, und in Suhl schoss er seinen ersten internationalen Wettkampf. Das tat er so bravourös - in der Qualifikation ließ er 117 Scheiben zerplatzen -, dass er sich um 15.00 Uhr bei sengender Hitze im Finale der besten acht Schützen wiederfand. „Ich bin sehr zufrieden und hätte nicht gedacht, dass ich so weit komme“, sagte er nach dem Finale. In diesem war er – natürlich – das „Küken“, die Konkurrenten aus Zypern, Italien, Frankreich und den Niederlanden waren drei bis fünf Jahre älter. Unter den Augen seines Vaters Tino, der Co-Trainer der Nationalmannschaft ist, traf der Schüler die erste Doublette vorbildlich, verfehlte dann aber die nächsten zwei Scheiben: „Ich war schon nervös, aber es hat sich in Grenzen gehalten.“ Auf jeden Fall war das fast schon eine Vorentscheidung gegen den Youngster, denn nach zwölf Scheiben schieden bereits die ersten zwei Schützen aus, und er erwischte auch Wenzel, da er bei gleicher Trefferzahl (9) mit dem Franzosen Dorian Richard aufgrund der schwächeren Platzierung in der Qualifikation die Flinte einpacken musste. Seinen formidablen Auftritt begründete er folgendermaßen: „Ich habe den besten Trainer in Deutschland, und das Talent wurde mir von meinen Eltern in die Wiege gelegt.“ Damit könnte er richtig liegen, denn seine Mutter heißt Christine und gewann vier WM-Titel sowie 2008 in Peking Olympia-Bronze. Auf die Frage, was für ihn noch kommen soll, antwortet er: „Alles, von bis!“ Den Titel gewann der Italiener Marco Coco mit neuem Final-Weltrekord (34 Treffer), Silber und Bronze gingen an die Zyprioten Kleanthis Klenathous und Andreas Pontikis.
Des einen Freud ist des anderen Leid: Und so verfehlte Vladislav Poddubskiy nach starker Leistung mit 116 Treffern als Neunter das Finale um exakt einen Treffer. Auch die anderen DSB-Starter wussten durchaus zu überzeugen: In dem 87 Schützen umfassenden Teilnehmerfeld landeten auch Valentin Woestmeyer (114, 17. Platz), Maximilian Seibel (113, 17. Platz) und Raphael Hapke (112, 25. Platz) im vorderen Feld. Das hätte auch Magnus Erdmann durchaus schaffen können, doch seinen zwei 25-er Runden standen auch eine 17 und 18 gegenüber, sodass es nur zu Platz 52 (107) reichte.
Die Konstanz und Dichte im deutschen Skeet-Team sorgte auch endlich für das erste Edelmetall für Deutschland bei dieser WM: Valentin Woestmeyer, Maximilian Seibel und Raphael Hapke gewannen hinter Zypern und Italien – zwei traditionell starken Flinten-Nationen – die Bronzemedaille. Seibel und Hapke sorgten mit ihren 22 bzw. 24 Treffern in der letzten Runde für die Entscheidung, anschließend war der Jubel groß, wie Woestmeyer sagt: „Die Medaille bedeutet uns viel. Wir haben uns Mühe gegeben, es war nicht leicht. Wir sind in Peru vor zwei Jahren daran gescheitert, deshalb freuen wir uns sehr.“ Zumal sie hart erkämpft war: „Der Heimvorteil ist super, aber die Bedingungen sind nicht leicht – aber das gilt für alle“, so Woestmeyer, der die WM aus seiner Perspektive kurz und knapp zusammenfasst mit den Worten: „Der Einzelwettkampf war gut, der Teamwettkampf war besser!“

Skeet Juniorinnen: WM-Titel und Weltrekord für die Favoritin
Die Britin Bethany Norton hatte in dieser Saison den ersten Weltcup der Erwachsenen gewonnen und musste demnach als Favoritin auf den WM-Titel angesehen werden. Diesem Druck hielt die 19-Jährige mit Bravour stand, doch nicht nur das: Im Finale der besten acht Schützinnen verfehlte sie von den 36 Finalscheiben lediglich zwei und stellte damit einen neuen Weltrekord auf. Auch Platz zwei ging ins Königreich an Phoebe Bodley-Scott, Bronze sicherte sich die Ukrainerin Ielyzaveta Pyvovarova.
Es wurde noch einmal so richtig eng! Luise Middel ging mit fünf Treffern Rückstand auf den achten Finalplatz in die letzte Runde und zeigte in dieser ihre beste WM-Leistung: 24 Treffer standen am Ende auf der elektronischen Anzeigetafel und in Summe 110. Um eine Scheibe verfehlte sie den achten Platz.
Auch Emilie Bundan zeigte mit einer 23er Runde nochmals ihr Können, sie landete am Ende auf Rang 15 (106 Treffer), eine Leistung, die sie nicht zufriedenstellte: „Ich bin nicht zufrieden, obwohl ich gut angefangen habe. Aber am zweiten Tag habe ich es ein bisschen vergeigt. Zumindest hatte ich heute noch einen guten Abschluss. Aber insgesamt war es sehr holprig“. Carlotta Wahl (24. Platz, 102), Jette Stöver (28. Platz, 101) und Maxima Sagel (32. Platz, 99) hatten jeweils eine Runde dabei, in der es nicht nach Wunsch lief und die eine bessere Platzierung verhinderte. Im Team belegten Middel, Bundan und Wahl den guten fünften Platz: „Da haben wir uns eine Medaille erhofft, und nach dem ersten Tag waren wir auf dem dritten Tag, aber leider hatte jede von uns einen Ausrutscher, und deswegen hat es nicht geklappt.“ Für die erfahrene Juniorin Bundan, in Suhl schoss sie ihre fünfte Nachwuchs-WM, war der Auftritt in Suhl dennoch außergewöhnlich: „Eine Heim-WM ist etwas Besonderes, weil Eltern und Leute, die man kennt. Es ist schön, eine WM im eigenen Land zu haben.“ Den Titel sicherten sich die Britinnen vor Tschechien und Italien.

Luftgewehr Juniorinnen: Annabelle Lotter mit starkem Endspurt
Dass eine hervorragende Qualifikation nicht bedeutet, auch im Finale automatisch vorne dabei zu sein, musste die Ukrainerin Mariia Stashko erfahren: Mit starken 634,1 Ringen hatte sie souverän die Qualifikation gewonnen, im Finale schied sie als Sechste aus. Ganz anders die drei Medaillengewinnerinnen Anvii Radhod/IND, Anceline Brackmann/FRAU und die erst 15-jährige Shigi Zhou/CHN, die mit 105,4 bzw. 105,3 hervorragend starteten, damit die Grundlage für die Medaille legten und sich einen packenden Dreikampf lieferten. Am Ende ging Gold nach China, Silber an Frankreich und Bronze an Indien.
Den Start in den Wettkampf hatte sich Annabelle Lotter sicherlich anders vorgestellt: „Die ersten fünf Schuss waren nicht so gut, das waren 50,3 Ringe – die haben mich das Finale gekostet“, so die Münchnerin. Warum ihr der Start misslang, dafür hatte sie keine so richtige Begründung: „Ich kann es mir nicht so richtig erklären, vielleicht war meine Einrichtungszeit zu kurz, aber ich hatte die Schüsse besser gesehen, als sie waren.“ Dass sie am Ende mit 629,3 Ringen ein sehr gutes Ergebnis zustande brachte und auf Rang 14 einlief, verdankte sie einer formidablen zweiten Hälfte: „Aber ich habe mich gut durchgekämpft, mit dem Ende bin ich sehr glücklich. Für so einen hochrangigen Wettkampf bin ich sehr zufrieden mit dem Ergebnis, Top 15 ist super!“ Mit 105,5 und 106,3 beendete sie ihr 60-Schuss-Programm. Auch Theresa Schnell zeigten ihre Klasse, glich eine schwächere Auftaktserie (103,4) mit einer grandiosen 106,6 aus und kam am Ende auf 628.0 Ringe (24. Platz). Finnja Rentmeister hatte sich sicherlich mehr als 624,1 Ringe (56. Platz) vorgestellt, und für Xenia Mund endete der Wettkampf tränenreich. Aufgrund eines technischen Defektes brachte sie nur 59 von 60 Schüssen ins Ziel.

Foto: DSB / Das gesamte deutsche Skeet-Team freut sich mit den Bronzemedaillengewinnern Valentin Woestmeyer, Maximilian Seibel und Raphael Hapke (v.l. mit den Medaillen).
Foto: DSB / Das gesamte deutsche Skeet-Team freut sich mit den Bronzemedaillengewinnern Valentin Woestmeyer, Maximilian Seibel und Raphael Hapke (v.l. mit den Medaillen).

Sportpistole Juniorinnen und Junioren: Aileen Pitschke in Schlagdistanz
Im großen Teilnehmerfeld mit der Sportpistole – dort sind 68 Starterinnen dabei – zeigte sich Aileen Pitschke in guter Verfassung: Zwar unterliefen ihr im Präzisionsteil vier Achter, doch mit den 285 Ringen und Platz 15 konnte die Erfurterin gut leben, und auch Bundestrainerin Jördis Grabe war zufrieden: „Sie hat gut gearbeitet und ist in Schlagdistanz.“ Vor dem zweiten Teil des Wettkampfes, dem Duell-Teil, liegt Pitschke drei Ringe hinter dem achten und letzten Finalplatz. Nicht ganz so gut lief es bei den anderen vier Starterinnen, denen es einfach noch an der Konstanz über die kompletten 30 Schuss im Präzisionsteil mangelt. Franziska Abram rangiert auf Platz 48 (279), Franziska Thürmer auf Platz 54 (277), Lucy Wernecke auf 61 (273) und Lydia Böhmer auf 62 (271). „Das waren solide Ergebnisse, Lydia hatte ein bisschen Startprobleme. Morgen werden die Mädels nochmals alles geben“, so die Bundestrainerin. Am Sonntag, 21. Juni, folgt der Duell-Teil und anschließend das Finale.
Während für die Juniorinnen die Sportpistole als olympische Disziplin einen hohen Stellenwert hat, ist dieser für die Junioren als nicht-olympische Disziplin eher als Zugabe zu werten. Dennoch war der Auftritt des deutschen Sextetts ernüchternd: Ben Spangenberg liegt nach Teil eins mit 279 Ringen als bester DSB-Schütze auf Platz 40. Arne Schallus (46.), Fiete Kühn (47.), Phillip Liebrecht (50.), Colin Hilk (51.) und Fynn Kramer (52.) folgen.

Am 21. Juni stehen folgende Wettkämpfe auf dem Programm

  • Sportpistole Juniorinnen Qualifikation Teil 2 und Finale (13.45 Uhr)
  • Sportpistole Junioren Qualifikation Teil 2
  • Luftgewehr Junioren Qualifikation und Finale (16.15 Uhr)

Das deutsche WM-Team in Suhl
Flinte: Luise Middel (Wiesbaden), Carlotta Wahl (Suhl), Emilie Bundan (Freren), Maxima Sagel (Paderborn), Jette Stöver (Wildeshausen), Maximilian Seibel (Freren), Valentin Woestmeyer (Saerbeck), Vlad Poddubskiy (Sprendlingen), Tobias Wenzel (Ibbenbüren), Magnus Erdmann (Suhl-Schmiedefeld), Raphael Hapke (Wedemark, alle Skeet), Till Reichardt (Schenklengsfeld), Pius Rosenecker (Dürrwangen), Henry John (Friemar), Ruben Fabisch (Kambs), Nolan Peters (Krakow am See), Lukas Racko (Wittstock), Karla Riehmann (Gotha), Frieda Fahr (Zella-Mehlis), Josefine Schwenzfeier (Hohenwarsleben), Lea Blank (Iffeldorf, alle Trap)
Gewehr: Florian Beer (Mähring, LG & KK), Benedikt Ascher (Waldkirchen, LG & KK), Alexander Karl (Eschede, LG & KK), Moritz Faltinat (Wunstorf, LG & KK), Luis Eichenseer (Neumarkt, LG), Finnja Rentmeister (Voerde, LG & KK), Xenia Mund (München, LG & KK), Katrin Grabowski (Niedernhausen-Engenhahn, KK), Anabell Dörsam (Fürth, KK), Annabelle Lotter (München, LG), Theresa Schnell (Thalmässing, LG)
Pistole: Colin Hilk (Mittenaar-Ballersbach, SFP), Fynn Kramer (Heidelberg, SFP), Fiete Kühn (Frankfurt/Oder, SFP), Phillip Liebrecht (Isernhagen, SFP), Arne Schallus (Suhl, SFP), Ben Spangenberg (Niederaula, SFP), Leon Kabisch (Treplin, LP), David Obenaus (Plessa OT Kahla, LP), Lucas Struck (Frankfurt/Oder, LP), Tjark Buchwald (Neumünster, LP), Moritz Steiner (Gundelfingen, LP), Anakin Sarrach (Booßen, LP), Aileen Pitschke (Erfurt, LP & SP), Franziska Thürmer (Witzenhausen, LP & SP), Lydia Böhmer (Mönchengladbach, SP), Lucy Wernecke (Dresden, SP), Ronja Gmeinder (Weinried, LP), Franziska Abram (Brilon, LP & SP)

LG = Luftgewehr, KK = Kleinkaliber-Dreistellungskampf, SFP = Schnellfeuerpistole, LP = Luftpistole, SP = Sportpistole

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