Weltmeisterschaften
Junioren-WM Suhl: WM-Titel für AIN und Indien
Bei drückender Hitze absolvierten die Schützinnen und Schützen den zweiten Wettkampftag bei der Junioren-WM in Suhl. Die strahlenden Sieger hießen Taisia Tikhomirova/AIN, Sameer Sameer/IND und Rohit Kanyan/IND, sie sicherten sich die WM-Titel in den olympischen Einzel-Disziplinen Kleinkaliber-Gewehr Dreistellungskampf Juniorinnen, Schnellfeuerpistole Junioren und Kleinkaliber-Gewehr Dreistellungskampf Junioren. Das deutsche Team wartet dagegen weiter auf die erste Finalteilnahme.

KK-Gewehr 3x20 Juniorinnen: WM-Titel geht an AIN-Athletin
Taisia Tikhomirova schnaufte tief durch. Die AIN-Athletin (Individuelle Neutrale Athleten), die in ihrem ersten internationalen Finale stand, war nur noch einen Schuss vom WM-Titel entfernt. Und den ließ sich die 14-Jährige (!) nicht mehr nehmen, nach einer 10,5 feierte sie den Überraschungserfolg und hatte am Ende satte 2,5 Ringe Vorsprung vor der Inderin Prachi Gaikwad. Bronze sicherte sich die große Favoritin, die Weltranglisten-2. bei den Frauen, Emely Jaeggi aus der Schweiz.
Die deutschen Teilnehmerinnen - allesamt WM-Debütantinnen - schossen konstant und platzierten sich allesamt im Mittelfeld: Finnja Rentmeister kam auf 583 Ringe (23. Platz) – ihr fehlten drei Ringe zum Finaleinzug. Vor allem im Liegendanschlag büßte sie bei 195 wertvolle Ringe auf die Spitze ein: „Die drei Ringe wären natürlich drin gewesen, vor allem liegend und auch stehend. Aber ich konnte meinen Plan umsetzen und prinzipiell war es vom Arbeiten her recht gut.“ Xenia Mund (582, 28. Platz) ließ vor allem kniend einige Ringe liegen, Anabell Dörsam (581, 33. Platz) und Katrin Grabowski (580, 36. Platz) verfehlten stehend den ein oder anderen Zehner. In der Teamwertung, die bereits gestern ausgeschossen wurde, schrammten Xenia Mund, Katrin Grabowski und Finnja Rentmeister als Vierte um zwei Ringe an der Team-Bronzemedaille vorbei: „Im ersten Moment war es superärgerlich, es wäre drin gewesen. Aber wir sind Vierter bei einer WM, das ist ein sehr gutes und akzeptables Ergebnis“, so Rentmeister.
Schnellfeuerpistole Junioren: Nächstes Gold für Indien
Erneuter Jubel beim indischen Team: Sameer Sameer sicherte seinem Team die nächste Goldmedaille. Im Duell mit Top-Favorit und Weltrekordler Arnaud Gmaleri aus Frankreich hieß es am Ende 28:27 Treffer für den Inder. Dabei hatte der Franzose bis zum 30. Schuss stets geführt, ehe er in der sechsten Serie lediglich zwei Treffer setzen konnte und Sameer mit perfekten fünf Treffern an ihm vorbeizog. Bronze sicherte sich der Südkoreaner Yuhwan Lee, der erst in einem dreimaligen Stechen gegen Gamaleri den Kürzeren zog.
Das deutsche Team musste bitteres Lehrgeld zahlen. Colin Hilk platzierte sich als bester DSB-Schütze aus dem Schnellfeuer-Sextett mit 563 Ringen auf Platz 23. Er büßte einige Plätze ein, da er die Leistung des Vortages nicht wiederholen konnte: „Gestern lief es ganz gut, ich habe konzentrierter geschossen als heute. Heute war es warm und drückend, der Finger hat nicht mitgespielt, das Auge war auch nicht so fokussiert – es lief nicht so, wie ich es gewollt hatte.“ Bundestrainer Detlef Glenz wollte nach dem ernüchternden ersten Halbprogramm eine Reaktion seiner Schützen sehen, und die bekam er auch: „Heute war es zumindest ein Lebenszeichen von den meisten, fast alle haben ein besseres Halbprogramm geschossen als gestern.“ Das reichte dennoch nur zu den Plätzen 26 (Ben Spangenberg, 561), 31 (Fiete Kühn, 555), 33 (Phillip Liebrecht, 554), 42 (Arne Schallus, 548) und 43 (Fynn Kramer, 546). „Insgesamt sind das enttäuschende Ergebnisse, das kann man nicht beschönigen. Mit 563 das beste Resultat, das müsste eigentlich der schlechteste Wert sein.“ Glenz hatte eine mögliche Erklärung parat: „Aber es wird insgesamt nicht so hochgeschossen wie erwartet. Dabei sind die Bedingungen perfekt, aber vielleicht ist man in Suhl gewohnt, in langer Unterhose zu schießen und nicht in kurzer Hose.“
KK-Gewehr 3x20 Junioren: Mit dem letzten Finalschuss zu Gold
Es bewahrheitet sich wieder und wieder: Im Dreistellungskampf wird die Messe im Stehendschießen gelesen. So auch bei der WM in Suhl. Der Inder Rohit Kanyan war kniend ordentlich und liegend gut und lag nach diesen 20 Schüssen auf Position zwei im Achter-Finalfeld. Es führte der Weltrekordler und Europameister Jens Oestli aus Norwegen. Doch der Norweger setzte seine erste Stehend-Serie komplett in den Sand (46,2), sodass er letztlich als Siebter ausschied. Kanyan kam dagegen, wie auch der Kasache Rinat Kazachenko, so richtig ins Rollen, und übernahm die Führung. Diese hielt bis zum vorletzten Finalschuss, dann überholte Kazachenko den Konkurrenten um 0,1 Ringe, sodass der letzte Schuss über den WM-Titel entscheiden musste. Während der Inder eine 10,1 auf die Scheibe brachte, blinkte beim Kasachen nur eine 9,3 auf – somit war der nächste Titel für Indien unter Dach und Fach. Bronze sicherte sich der Österreicher Patrick Entner.
2/3 des Wettkampfes lag Alexander Karl aussichtsreich im Rennen. Er führte nach dem Kniend- und Liegendschießen gar das Teilnehmerfeld mit hervorragenden 397 Ringen an. Doch stehend klappte von Beginn an kaum etwas, Karl rutschte mit letztlich 579 Ringen auf Rang 26 ab. Beste DSB-Athleten waren Benedikt Ascher (21. Platz) und Florian Beer (23. Platz) mit jeweils 580 Ringen, Moritz Faltinat war mit seinen 578 Ringen (29. Platz) nicht weit weg davon: „Es war geschlossen wie gestern, aber es reicht vom Gesamtniveau nicht, um in das Finale zu kommen. Es fehlt der eine, der Mitte Achtzig schießen kann. Sie waren nicht schlecht, aber auch nicht richtig gut, um in das Finale zu kommen. Da haben wir uns aber auch nicht zwangsläufig gesehen. Letztlich ist es ein Spiegel dessen, wo wir uns befinden“, analysierte Bundestrainerin Claudia Kulla. Für die Juniorinnen und Junioren folgen nun noch die Wettbewerbe mit dem Luftgewehr und mit dem Kleinkaliber-Gewehr liegend.

Skeet Juniorinnen & Junioren: DSB-Junioren in guter Position
Noch sind die deutschen Schützinnen und Schützen ohne Finalteilnahme, das könnte sich aber womöglich am Samstag, 20. Juni ändern. Denn im Wettkampf der Skeet-Junioren liegen mit Tobias Wenzel (95 Treffer), Vladislav Poddubskiy (93), Valentin Woestmeyer (92) und Maximilian Seibel (91) vier DSB-Athleten auf den Rängen drei, neun, elf und 14 in einem allerdings sehr dicht gedrängten Teilnehmerfeld. Wenzel und Poddubskiy trafen am zweiten Tag jeweils 47 von 50 möglichen Wurfscheiben und fiebern der fünften und letzten 25-er Serie am morgigen Samstag, 20. Juni, genauso entgegen wie die anderen Deutschen. Raphael Hapke (88, 37. Platz) und Magnis Erdmann (85, 60. Platz) wollen sich dann auch noch weiter nach oben arbeiten.
Bei den Juniorinnen ist die Aussicht auf eine Einzel-Finalteilnahme dagegen gesunken: Zwar sind Luise Middel als Zwölfte und Emilie Bundan als 17. im Vorderfeld platziert, ihr Rückstand auf den letzten Finalplatz beträgt jedoch schon fünf bzw. acht Treffer. Jette Stöver (26. Platz), Carlotta Wahl (27. Wahl) und Maxima Sagel (34. Platz) weisen 81, 81 und 76 Treffer auf.
Am 20. Juni stehen folgende Wettkämpfe auf dem Programm
- Sportpistole Juniorinnen und Junioren Qualifikation Teil 1
- Skeet Juniorinnen Qualifikation 3. Tag und Finale (13.45 Uhr)
- Skeet Junioren Qualifikation 3. Tag und Finale (15.00 Uhr)
- Luftgewehr Juniorinnen Qualifikation und Finale (18.00 Uhr)
Das deutsche WM-Team in Suhl
Flinte: Luise Middel (Wiesbaden), Carlotta Wahl (Suhl), Emilie Bundan (Freren), Maxima Sagel (Paderborn), Jette Stöver (Wildeshausen), Maximilian Seibel (Freren), Valentin Woestmeyer (Saerbeck), Vlad Poddubskiy (Sprendlingen), Tobias Wenzel (Ibbenbüren), Magnus Erdmann (Suhl-Schmiedefeld), Raphael Hapke (Wedemark, alle Skeet), Till Reichardt (Schenklengsfeld), Pius Rosenecker (Dürrwangen), Henry John (Friemar), Ruben Fabisch (Kambs), Nolan Peters (Krakow am See), Lukas Racko (Wittstock), Karla Riehmann (Gotha), Frieda Fahr (Zella-Mehlis), Josefine Schwenzfeier (Hohenwarsleben), Lea Blank (Iffeldorf, alle Trap)
Gewehr: Florian Beer (Mähring, LG & KK), Benedikt Ascher (Waldkirchen, LG & KK), Alexander Karl (Eschede, LG & KK), Moritz Faltinat (Wunstorf, LG & KK), Luis Eichenseer (Neumarkt, LG), Finnja Rentmeister (Voerde, LG & KK), Xenia Mund (München, LG & KK), Katrin Grabowski (Niedernhausen-Engenhahn, KK), Anabell Dörsam (Fürth, KK), Annabelle Lotter (München, LG), Theresa Schnell (Thalmässing, LG)
Pistole: Colin Hilk (Mittenaar-Ballersbach, SFP), Fynn Kramer (Heidelberg, SFP), Fiete Kühn (Frankfurt/Oder, SFP), Phillip Liebrecht (Isernhagen, SFP), Arne Schallus (Suhl, SFP), Ben Spangenberg (Niederaula, SFP), Leon Kabisch (Treplin, LP), David Obenaus (Plessa OT Kahla, LP), Lucas Struck (Frankfurt/Oder, LP), Tjark Buchwald (Neumünster, LP), Moritz Steiner (Gundelfingen, LP), Anakin Sarrach (Booßen, LP), Aileen Pitschke (Erfurt, LP & SP), Franziska Thürmer (Witzenhausen, LP & SP), Lydia Böhmer (Mönchengladbach, SP), Lucy Wernecke (Dresden, SP), Ronja Gmeinder (Weinried, LP), Franziska Abram (Brilon, LP & SP)
LG = Luftgewehr, KK = Kleinkaliber-Dreistellungskampf, SFP = Schnellfeuerpistole, LP = Luftpistole, SP = Sportpistole
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