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75 Jahre Wiedergründung DSB: Das Oktoberfest-Landesschießen

09.10.2026 11:16

Die Schützentradition und das Brauchtum sind neben dem Sport ein fester und wichtiger Bestandteil der Schützenkultur im Deutschen Schützenbund, in den Landesschützenverbänden und ihren Untergliederungen. Schützentraditionen und Bräuche können dabei sehr unterschiedlich sein, wie die verschiedenen Beiträge der Landesverbände zeigen, die das gesamte Jahr über zum 75-jährigen Jubiläum der DSB-Wiedergründung veröffentlicht werden. Ein zweites Mal ist der Bayerische Sportschützenbund an der Reihe, der ausführlich über das Oktoberfest-Landesschießen berichtet.

Foto: BSSB / Das Oktoberfest wird mit dem Abböllern beendet.
Foto: BSSB / Das Oktoberfest wird mit dem Abböllern beendet.

Fokus bayerischer Lebensart

Zusammen mit dem Oktoberfest-Armbrust-Landesschießen, dem Trachten- und Schützenzug und der Ausrufung der Landesschützenkönige am Fuße der Bavaria verkörpert das Oktoberfest-Landesschießen ein unverwechselbares Stück bayerischer Schützenkultur und Lebensart.

Das Landesschießen ist eine herausragende Veranstaltung im Schützenjahr, an der die ganze Lebendigkeit und Vielfalt der Schützenkultur offenbar werden. Hier kommen Alt und Jung, Profisportler und Hobbyschützen aus ganz Bayern und Deutschland zusammen, um sich schießsportlich zu messen und die weithin bekannte Schützengeselligkeit zu leben. So prägt das Oktoberfest-Landesschießen im internationalen Fokus des Oktoberfests das sympathische Bild Bayerns in aller Welt mit. 

Das Oktoberfest-Landesschießen und das Oktoberfest-Armbrust-Landesschießen werden 2022 Immaterielles Kulturerbe Bayerns.

Auf einen Blick 

  • Seit 2022 Immaterielles Kulturerbe Bayerns 

  • Ein Superlativ mit Tradition  
    - Das Oktoberfest-Landesschießen ist das größte, regelmäßig stattfindende Freischießen der Welt. Teilnehmer im Schnitt: Über 3.500.
    - Der Gemeinschaftsgedanke steht im Vordergrund.
    - Seit jeher ein Schießen für den „kleinen Mann“.
    - Disziplinen: Luftpistole und Luftgewehr, Armbrust (Scheibe, Stern, Festadler), Zimmer- und Feuerstutzen bei der Traditionsmeisterschaft.
    - Historisches Vorbild: Historische Freischießen seit dem Mittelalter (teils verbunden mit Verleihung von Bürgerrechten), Schweizer Bundesschießen (zivile Umsetzung). 
      


  

  • Seit wann? 
    - Besteht seit Anbeginn der Wiesn 1810: Aus Anlass der Vermählung des Prinzenpaars Ludwig I. von Bayern und Prinzessin Therese von Sachsen-Hildburghausen lädt die Stadt München zusammen mit dem Königshaus der Wittelsbacher zu einem großen Vermählungsschießen in der Zeit vom 12. (dem Tag der Trauung) bis zum 21. Oktober.
    - 1816: Die Münchner Hauptschützengesellschaft richtet das erste Oktoberfest-Feuerschießen auf der Theresienwiese aus – als Hauptpreis winkt ein „Pferd nebst Sattel“. 
    - Seit 1896: „Oktoberfest-Zimmerstutzenschießen“ des Oberbayerischen Zimmerstutzen-Schützenverbands unter Josef Weinberger. 
    - 1950 erstes Nachkriegsschießen (bei der HSG München): Vergleichsschießen mit US-Schützen mit völkerverbindender Ausrichtung. 
    - 1951 erstes offizielles Oktoberfest-Landesschießen nach dem Zweiten Weltkrieg auf der Wiesn. 
    - Teil-Vorläufer von 1810 bis 1913 ist das Oktoberfest-Feuerschießen: Betonung der Einheit Bayerns; es geht auf das Münchner Freischießen seit dem Mittelalter zurück; es ist als Bayerische Meisterschaft für Traditionswaffen bis heute Teil des Oktoberfest-Landesschießens. 

  • Mit dem Landesschießen verbundene Veranstaltungen 
    - 
    Schützenzug: Ist in den Oktoberfest-Trachten- und Schützenzug aufgegangen.
    - Proklamationsfeier: mit Abböllern der Wiesn am letzten Wiesnwochenende.
    - Armbrustschießen: seit 1895. Ausrichter ist die Armbrust-Schützengilde Winzerer Fähndl e.V. (ursprünglich ein Kostümverein für die Festzüge). 
    - Bayerische Meisterschaft für Traditionswaffen: Spezielle Veranstaltung, die der Traditionspflege dient; geschossen wird mit historischen Feuer- und Zimmerstutzen; das Preisschießen atmet den Geist des Oktoberfest-Feuerschießens. Diese Veranstaltung kann aus Sicherheitsgründen nicht auf der Wiesn durchgeführt werden. Die Bayerische Meisterschaft für Traditionswaffen verkörpert ein Schießen wie es zu Zeiten Ganghofers oder Thomas noch üblich war (inklusive Festabend). 

Sport für alle & Brauchtum live

  • Dabeisein ist alles 
    Das Oktoberfest-Landesschießen und das Oktoberfest-Armbrust-Landesschießen bilden eine Insel im Volksfestgetriebe des Münchner Oktoberfestes. Hier treffen sich Schützinnen und Schützen mit am Schützenwesen Interessierten. Der Wettkampf spiegelt eine breite Volkssportbewegung wider.  
    Seine Bedeutung liegt insbesondere in einem aktiv gelebten Stück heimischer Schützenkultur, das Brauchtum, Tradition und bayerische Festkultur in unvergleichlicher Weise verbindet. Das Besondere ist das Miteinander von Jung und Alt, Menschen mit und ohne Handicap, von Profi- und Freizeitsportler. So kann der Schüler auf dem Stand neben einem Weltmeister stehen. Hier gilt noch der olympische Gedanke „Dabeisein ist alles“.  
    Gleichermaßen konnten sich Traditionen erhalten (Schützenauszug, Oktoberfest-Trachten- und Schützenzug, Festbankett zum Abschluss des Armbrust-Königsschießens bzw. der Deutschen Meisterschaft) bzw. sich neu entwickeln (Abböllern der Wiesn bzw. Ausrufung der neuen Landesschützenkönige als eine der Tradition verpflichtete Neuentwicklung). Die zuletzt genannte Abschlussveranstaltung des Oktoberfest-Landesschießens zieht Jahr für Jahr um die 30.000 Zuschauer in ihren Bann. 

  • Im Miteinander von Sportsgeist & Schützengeselligkeit 
    Das Oktoberfest-Landesschießen ist ein gesellschaftliches Ereignis, das in der Gesamtheit seiner Ausprägungen – kulturell, sozial, sportlich, ökonomisch – das Oktoberfest, aber auch das Schützenwesen selbst – d.h. international bekannte Bestandteile bayerischer Lebensart – mitprägt.  
    Zudem ist das Oktoberfest-Landesschießen eine Keimzelle moderner Meisterschaften (Reglement, Kampfrichterwesen usw.), nicht allein im Schießsport.  
    So hat das Oktoberfest-Landesschießen bis heute eine einmalige Ausstrahlung: Es gilt vielen Sportschützinnen und Sportschützen als Saisonhöhepunkt. 

  • Schützenbrauchtum mit Ausstrahlung 
    Doch auch außerhalb von Schützenkreisen hat das Oktoberfest-Landesschießen eine herausragende Bedeutung. Das Landesschützenkönigsschießen im Rahmen des Oktoberfest-Landesschießens belebt mittelalterliches Brauchtum und interpretiert dieses zeitgemäß. Die Proklamations- und Ausrufungsfeier orientiert sich an Überlieferungen und ist heute ein fester Programmteil des Oktoberfests, das authentisches bayerisches Brauchtum als eine lebendige Tradition zeigt (Böllerschießen, Ehrensalut, „Abschießen“ des Festes).  
    Die dabei gezeigten Schützenketten weisen auf die hohe Kunst der Silberschmiede hin und werden aus Nah und Fern bestaunt. Die Fahnenstickerei der gezeigten Fahnen ist ein aus der Klosterkunst entstandenes Handwerk. Die von den Schützinnen und Schützen getragenen Trachten stehen für den Erhalt des Handwerks der Trachtenschneider. Dies wird insbesondere im Schützen-Festzelt mit den dort ständig ausgestellten Gebirgstrachten deutlich. Aber auch der Bereich der Musik darf nicht unterschätzt werden. So findet nicht nur der Trachten- und Schützenzug mit reger Beteiligung von Spielmannszügen und Blaskapellen statt: Auch die Ausrufung der Landesschützenkönige wird von der Marktkapelle Au in der Hallertau und dem Spielmannszug Hörgertshausen begleitet. Dabei hat der Bayerische Sportschützenbund für seine Festakte spezielle Musikstücke komponieren lassen: den Herzog-Franz-Marsch wie den Münchner Oktoberfest-Schützenmarsch. Nicht unerwähnt sollen ebenso die bei der Siegerehrung gereichten Schützenscheiben bleiben. 

  • Kultur, die verbindet im Europa der Regionen 
    Das Oktoberfest-Landesschießen leistet in seiner, die heimatliche Kultur prägenden Kraft einen wichtigen Beitrag zum Europa der Regionen. Dass bei der Proklamation der Landesschützenkönige traditionell auch hohe Vertreter der Tiroler und Südtiroler Schützinnen und Schützen zugegen sind, unterstreicht die europäische Dimension dieser Traditionsveranstaltung. Zusammen etwa mit dem Südtiroler Martinischießen in Eppan gehört es zu einer gemeinsamen, europäischen Schützenkultur, die den Austausch von Menschen über Ländergrenzen hinweg fördert und Völker verbindet. Vergleichbares gilt für das Oktoberfest-Armbrustschießen: Ein spezielles „Städteturnier“ zu Beginn des Oktoberfest-Armbrustschießens, an dem Mannschaften aus Österreich, der Schweiz, Frankreich und Deutschland teilnehmen, bringt Schützen aus dem gesamten Alpenraum zusammen. 
    Hier zeigt sich der völkerverbindende Charakter des Schützenwesens in prominenter Weise. Denn München ist auch dank des Oktoberfest-Landesschießens eine Schützenstadt europäischen bzw. internationalen Ranges. Die gesamte deutsche Schießsportelite war und ist regelmäßig beim Oktoberfest-Landesschießen aktiv. Schon vor dem Zweiten Weltkrieg finden sich in den Siegerlisten zahlreiche internationale Spitzensportler. 

Brauchtumsbegeisterung pur 

Impressionen vom Oktoberfest-Landesschießen 2024 im Bewegtbild:  

Impressionen vom Oktoberfest-Landesschießen 2025 im Bewegtbild:    

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