Weltmeisterschaften

Schießsport-WM Kairo: Zweimal Bronze durch Vennekamp und Junioren-Mixed

22.10.2022 18:07

Dieser Samstag geht als einer der erfolgreichsten Tage bisher in die Geschichte der Weltmeisterschaften in Kairo aus deutscher Sicht ein. Doreen Vennekamp gewann Bronze mit der Sportpistole, die Luftpistolenjunioren Celina Becker und Andreas Köppl im Mixed ebenso. Und die Gewehrdamen haben Silber bereits sicher.

Foto: DSB / Doreen Vennekamp herzt ihr neues Edelmetall.
Foto: DSB / Doreen Vennekamp herzt ihr neues Edelmetall.

Es war ein hochklassiges Finale von Doreen Vennekamp, nachdem sie schon den Vorkampf mit 590 Ringen gewonnen hatte. Und die erste Ausscheidung der besten Acht, wer in den Kampf der besten Vier um die Medaillen eingreifen durfte, beendete die 27-Jährige als Erste mit 14 Ringen. Eine einzige Schwäche kostete sie eine noch glänzendere Medaille, als sie in der dritten Fünferserie nur zweimal traf. Sie kämpfte, schaffte noch zweimal vier und zum Schluss sogar fünf Treffer, doch die beiden Führenden ließen sie nicht mehr heran, weil Jangmi Kim aus Korea, die neue Weltmeisterin wurde, und die Chinesin Yan Chen ebenso gut trafen. Sie wiesen beide 23 Treffer auf, Vennekamp fehlte ein Punkt. „Es geht schon mehr, das habe ich bei der EM gezeigt. Wenn ich einen Lauf habe, läuft es auch richtig, und dahin kam ich heute nicht“, sagte die Sportsoldatin.

Im Duellteil der Qualifikation hatten Monika Karsch und Michelle Skeries eine beeindruckende Aufholjagd nach ihrem Rückstand von fünf und acht Ringen auf die Finalplätzen hingelegt. Und diese Jagd gelang. Skeries schoss mit 298 Ringen das zweitbeste Resultat des ganzen Feldes, Karsch erzielte ebenfalls hervorragende 295 Ringe. Damit waren beide auf dem Niveau von 583 Ringen angelangt, dem Finaleingangsniveau in Kairo. Doch es reichte trotzdem nicht, denn die Griechin Anna Korakaki erzielte ebenfalls, wie insgesamt vier Sportlerinnen, 583 Ringe, hatte aber die meisten Innenzehner. Das gab den Ausschlag, Karsch und Skeries blieb im Finale nur, Doreen Vennekamp anzufeuern.

Dreistellungskampf Männer: Dallinger bärenstark
Maximilian Dallinger hatte den Bann schon am Vormittag gebrochen. Mit einer ausgezeichneten Leistung, mit 590 Ringen, war er bei Ringgleichheit Achter geworden, weil er mit 42 Innenzehnern den höchsten Wert im Vergleich zu seinen Konkurrenten aufwies. Damit war er der erste Deutsche in den Tagen von Kairo, der in einer olympischen Entscheidung bis ins Finale vorstieß. Zu verdanken hatte er das nach dem schwächeren Start mit 194 Ringen liegend seinen starken Vorstellungen liegend mit 200 und stehend mit 196 Ringen. Vor allem im letzten Anschlag zeigte er sich in dem dichten und hochklassigen Feld extrem nervenstark und schoss mit zwei Zehnern aus.

Foto: Harald Strier / Schossen die erste Pistolen-Juniorenmedaille im Mixed heraus: Celina Becker und Andreas Köppl.
Foto: Harald Strier / Schossen die erste Pistolen-Juniorenmedaille im Mixed heraus: Celina Becker und Andreas Köppl.

Diese Stärke zeigte er auch im Finale, in dem vier Quotenstartplätze für die Olympischen Spiele 2024 in Paris vergeben wurden. Kniend und liegend schoss er ausgezeichnet. „Hätte man mir diese Werte vorhergesagt, ich hätte es sofort unterschrieben“, so Dallinger. Doch in der ersten Fünferserie stehend rutschte der 26-Jährige mit fünf Neunerwertungen auf Rang sieben ab, nachdem er sich zuvor unter den besten Vier getummelt hatte. Er fing sich wieder, lag vor seinem letzten Schuss auf Rang sechs, doch er fiel mit der abschließenden 9,7 noch auf Rang sieben zurück, ein Zehntel fehlte ihm, so dass er ausscheiden musste. Angesichts seiner starken Leistung bilanzierte er: „Ich kann mir selbst nicht böse sein. Man muss anerkennen, dass die anderen besser waren.“

Kai Dembeck hatte im Vorkampf nach 395 Ringen auf Tuchfühlung zum Finale gestanden. Doch auch in Kairo konnte er seine Stehendschwäche nicht überwinden, traf lediglich 187 Ringe und fiel mit insgesamt 582 Ringen auf Platz 54 zurück. David Koenders war am Vortag in der Elimination am Cut zu den besten 70 gescheitert.

Pistolen-Junioren: Endlich die Belohnung
Bronze und damit die ersehnte erste Medaille im letzten Wettkampf der Luftpistole-Junioren gab es am Samstag für Deutschland. Celina Becker und Andreas Köppl sicherten das Edelmetall durch ein 17:11 gegen Italien. „Es war schon krass, dass es erst einen Finaleinzug gibt und dann auch noch eine Medaille“, meinte die 18-Jährige überglücklich. Das Duo hatte die eigentliche Top-Formation Deutschland I mit Vanessa Seeger und Eduard Baumeister in der Qualifikation um einen Ring hinter sich gelassen und auf den siebten Platz verwiesen, so dass es nicht mehr für eines der beiden Bronzefinals reichte. „Die Medaille ist auch für die ganze Mannschaft, die Trainer, die Heimtrainer. Damit kann man morgen gut nach Hause fliegen“, freute sich Bundestrainerin Jördis Grabe, die damit bei der ersten großen Meisterschaft unter ihrer Verantwortung auch ihre erste Medaille gewann, die die Junioren in den Tagen zuvor mehrfach nur hauchzart verpasst hatten.

Gewehr-Frauen: Beeindruckend ins Goldfinale
Die deutsche Gewehr-Frauenmannschaft steht als Team im Finale des Dreistellungskampfes und trifft am Sonntagmorgen auf die Schweiz. Anna Janßen, Jolyn Beer und Lisa Müller gewannen beide Vorkämpfe mit 1329 und 882 Ringen recht deutlich, machten ihr Versprechen vom Vortag war und sind daher aussichtsreiche Gold-Kandidaten. Eine Medaille ist den drei Schützinnen, die am Vortag im Einzel schwer vom Pech gebeutelt waren, aber schon sicher. Und damit wird auch Bundestrainer Claus-Dieter Roth nach 20 Jahren als Bundestrainer seine Laufbahn bei seinem vorletzten großen Wettkampf mit einem Erfolg beenden.

Schnellfeuerpistole Männer: DSB-Duo auf Finalkurs
Florian Peter mit 294 (Vierter) und Christian Reitz mit 293 Ringen (Siebter) liegen auf einem Finalplatz, Vize-Europameister Oliver Geis mit 283 Ringen (51.) weit abgeschlagen, das ist die Ausgangslage nach dem ersten Tag Schnellfeuerpistole. „Bei Olli lief gar nichts, aber er ist aufgrund der zahlreichen Favoritenstürze in guter Gesellschaft“, kommentierte Bundestrainer Detlef Glenz. „Oben ist es sehr dicht. Morgen wird es daher sehr spannend werden.“

Das deutsche Team bei der WM in Kairo
Gewehr Erwachsene: Tom Barbe (Lichtenfels), Maximilian Dallinger (Haar), David Koenders (Eching), Kai Dembeck (Dortmund), Jolyn Beer (Neustadt am Rübenberge), Anna Janßen (Freising), Lisa Müller (Weingarten), Denise Palberg (Holzwickede), Hannah Steffen (Ohlweiler), Anna-Lena Geuther (Puckheim), Veronique Münster (Kalletal), Christian Dressel (Adelsdorf), Jörg Niehüser (Erwitte), Matthias Raiber (Ulm)

Pistole Erwachsene: Philipp Grimm (Freiberg am Neckar), Christian Reitz (Regensburg), Paul Fröhlich (Hitzhofen), Oliver Geis (Bad Camberg), Florian Peter (Obertshausen), Svenja Berge (Bad Camberg), Monika Karsch (Regensburg), Sandra Reitz (Regensburg), Michelle Skeries (Potsdam), Doreen Vennekamp (Steinbach)

Gewehr Juniorinnen: Nele Stark (Güglingen), Hannah Wehren (Uedem), Larissa Weindorf (Mannheim)

Pistole Junioren: Eduard Baumeister (Neuhausen), Hugo Fries (Schwäbisch-Hall), Andreas Köppl (Gleiritsch), Evan Dörr (Niederhöchstadt), Tobias Gsöll (Graben), Felix Hollfoth (Lahnau), Markus Lehner (München), Nina Adels (München), Celina Becker (Ubstadt-Weiher), Vanessa Seeger (Hemmingen), Lydia Vetter (Dresden)

Target Sprint: Dominik Hermle (Denkingen), Jacob Hofmann (Gräfenroda), Anja Fischer (Mengen), Kerstin Schmidt (Erbendorf)

Trainer & Offizielle: Detlef Glenz, Claus-Dieter Roth, Claudia Verdicchio-Krause, Claudia Kulla, Jördis Grabe, Jörg Dietrich, Manfred Gohres, Heiko Dörr, Theo Hadrath, Sandra Hof, Helmut Hoffmann, Thomas Karsch, Norbert Klaar, Sylvia Torba, Achim Veelmann, Wolfram Waibel, Thomas Zerbach, Thomas Abel, Hanne Aslanidis

(Harald Strier)

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