Bundesliga
Bundesligafinale Rotenburg: Von Sekunden, Königen und Präzision
Natürlich stehen die Wettkämpfe an den zwei Tagen des Bundesligafinals im Fokus, doch am Rande dieser gibt es einige Aspekte und Geschichten, die es auch lohnt zu erzählen. Manche sind zum Schmunzeln, bei einer anderen ist Wehmut dabei.

Lob: Michael Schwald hat schon zig Bundesligafinals miterlebt, Titel und Medaillen gewonnen und natürlich auch Matches verloren. Der 33-jährige Kaderschütze mit der Luftpistole möchte das Event nicht missen und sagt: „Es ist eine wahnsinnstolle Veranstaltung und mit die beste, die es im DSB gibt. Man schießt nicht nur für sich, sondern für sein Team und hält zusammen – im Sieg und in der Niederlage. So, wie wir das Bundesligafinale zelebrieren, ist es einfach sagenhaft.“ Und auch Final-Debütant Maxi Ulbrich war angetan: „Ich fand es sehr schön, so viel Unterstützung von den Rängen zu bekommen. Natürlich hat man sehr viel Vibrationen von den Trommeln am Körper gespürt, aber das hat sich nicht auf den Lauf ausgewirkt. Von daher passte das, es war alles super.“
Vorbildlich: Knapp 50 Helferinnen und Helfer des ausrichtenden Vereins SGi Mengshausen machten das Event erst möglich: Einlasskontrolle, Aufbau, Teambetreuung und Ansprechpartner für alle anfallenden Fragen. Ohne diese freiwilligen Helfer - zu erkennen in den schwarzen T-Shirts - geht es nicht, deswegen ein dickes Dankeschön an die Vereinsspitze mit Manuela Schmermund und Olaf Lenker sowie die Freiwilligen.
Sekundenhilfe: Im Bronzematch kam es bei Maxi Ulbrich auf einmal zu einer Unterbrechung: „Ich war sehr aufgeregt, habe sehr viel geschwitzt und hatte nicht mehr den nötigen Grip am Griff. Deshalb habe ich am Griff ein bisschen rumgewischt und dabei einen Teil vom Griffstück abgebrochen“, so Ulbrich. Doch sekundenschnelle Hilfe nahte: Trainer Norbert Ettner organisierte schnell einen Sekundenkleber, „sonst wäre es mit der Zeit am Ende auch etwas eng geworden.“

Erfahrung: Natürlich ist das Bundesligafinale ein absoluter Höhepunkt im nationalen Schießsport und auch für die teilnehmenden Athleten. Vor allem für Sportler, die jung sind und ggf. auch erstmalig daran teilnehmen. Denn diese Erfahrung ist wertvoll, um auch auf internationalem Terrain für Furore zu sorgen. So beispielsweise für Katrin Grabowski (SV Wieckenberg), David Obenaus und Leon Kabisch (beide PSV Olympia Berlin). Dieses Trio reist am Montag nach Burgas/BUL, wo es an der Druckluft-Europameisterschaft der U21 teilnimmt. „Es war viel los, es war sehr viel Lärm, sodass man in seinem Film war und einfach nur abliefern wollte. Das hilft definitiv für die EM: Da wird auch viel los sein, viele neue Menschen“, sagt Kabisch. Und Selbstvertrauen hat er auch mitgenommen, denn er sagt auch: „Mein Ziel ist es, Europameister zu werden. Egal, ob im Team oder im Einzel!“
Zuschauer: Die Tribünen waren gut gefüllt, Ohrenschutz definitiv angebracht: Keine Frage, die 1.600 Zuschauer und Fans der 16 teilnehmenden Finalisten sorgten an den zwei Tagen für echte Finalstimmung. Sei es mit Rasseln, Klatschpappen, Tröten oder Trommeln – die Schützinnen und Schützen waren gefordert, bei diesem Lärmpegel die Ruhe zu bewahren und Leistung zu zeigen.
Stechkönige: Die Älteren werden sich erinnern: In Quartett-Spielen musste bei gleichen Werten der Karten gestochen werden, und die Freude war diebisch, wenn bei der Stechkarte dann der „Supertrumpf“ kam. So ungefähr müssen sich die Fans von Kronau vorgekommen sein, denn im Viertel- und Halbfinale mussten die Schützen von Trainer Kurt Hillenbrand insgesamt fünf Mal ins Stechen gehen. Und fünf Mal ging der Punkt am Ende an die Kronauer, der „Supertrumpf“ war dabei US-Boy Gavin Barnick, der sowohl im Viertel- als auch im Halbfinale jeweils im vierten (!) Stechschuss für Jubel sorgte.
Präzision: Präzise. Flexibel. Einzigartig. Das ist der Slogan von DSB-Partner Meyton, der für die gesamte Elektronik beim Bundesligafinale zuständig ist. Und extrem präzise agieren natürlich die Schützen beim Bundesligafinale, beispielsweise die norwegische Ausnahmeschützin Jeanette Hegg Duestadt (Freiheit), die in ihrem eh schon perfekten Wettkampf (400 Ringe) auch den perfekten Schuss setzte: einen 0,0 Teiler! D.h. zentraler geht es nicht, und im Schießsport spricht man nicht von Zentimetern oder Millimetern, sondern von Mikrometern (1mm = 1000 Mikrometer). Bei den Pistolenschützen gelang Tobias Kaulen (Pier) der beste Schuss des Wochenendes mit einem ebenfalls sensationellen Teiler von 5,65.
Verabschiedung: Still, aber erfolgreich endete eine Erfolgsstory: Jolyn Beer, Schützin der SB Freiheit, beendete mit dem Auftritt im Viertelfinale ihre Schießsportkarriere. Und die war äußerst erfolgreich mit den Höhepunkten der Olympia-Teilnahmen in Tokio 2021 (6. Platz) und Paris 2024 (9. Platz) sowie Medaillen bei Welt- und Europameisterschaften und Weltcups. Hervorzuheben dabei sicherlich der Sieg beim Weltcupfinale 2017 in Delhi/IND. Nachdem sie ihre internationale Karriere 2024 beendet hatte, schloss sie den Gewehrkoffer nun auch endgültig. Das Viertelfinal-Aus gegen Vöhringen (2:3) konnte auch Beer nicht verhindern, die sich immerhin mit einem persönlichen Sieg (397:396) gegen Amelie Kraus, verabschiedete: „Ich hätte mir natürlich gern einen Sieg gewünscht, aber ich wollte auch für mich selbst meine gute Saison bestätigen unter dem Druck des Finals und mit dem Wissen, dass das mein letzter Wettkampf sein kann. Das ist mir sehr gut gelungen, und ich bin froh, dass ich selbst den Punkt gewinnen konnte. Die Atmosphäre war nochmal total schön, beide Teams hatten einen starken Support in der Halle und das macht ja so ein Finale aus. Das war echt super. Aber jetzt dürfen andere übernehmen.“
Noch mehr Meister: Natürlich standen die neuen Mannschaftsmeister aus Kelheim-Gmünd und Kevelaer am Sonntag im Fokus und zurecht im Rampenlicht, aber am Samstag erfolgte eine weitere Meister-Auszeichnung: Traditionell wurden vor den Halbfinals die vier Teams geehrt, die in der Vorrunde die Spitze erklommen und als Nord- bzw. Südmeister nach Rotenburg anreisten. Die Teams vom SV Kelheim-Gmünd und SV 1935 Kriftel (Luftpistole) sowie Der Bund München und SSG Kevelaer (Luftgewehr) erhielten die Pokale.
Carl Walther Trophy: Die Bundesligasaison ist lang und umfasst maximal 14 Wettkämpfe pro Athlet (elf in der Vorrunde, drei im Finale), wenn dieser stets eingesetzt wird. Die Kunst eines jeden Schützen besteht darin, mit größtmöglicher Konstanz hohe Qualität zu zeigen und im Idealfall immer zu gewinnen. Dies gelang Michael Schwald (ESV Weil am Rhein), der seinen „Titel“ verteidigte, und Maximilian Ulbrich (Der Bund München) am besten und dafür erhielten sie von Bundesliga-Partner Carl Walther GmbH jeweils ein Sportgerät aus dem Haus Walther. Das Ranking wurde mittels eines Schlüssels, der die Ringzahl und die Siege in den Duellen der gesamten Bundesligasaison berücksichtigte, erstellt.
Schütze des Jahres: Von so einer Mehrheit träumt jede Partei. Mit absoluter Mehrheit und exakt 54,2 Prozent der abgegebenen Stimmen siegte Luftgewehr-Weltmeister Maximilian Dallinger erstmals bei der Wahl zum Schützen des Jahres, die von der Deutschen SchützenZeitung durchgeführt wird. „Es ist eine riesige Wertschätzung. Ich genieße es genauso wie den Weltmeister-Titel, das tut sehr gut und kommt auf das Konto für das gute Gefühl, wenn es mal wieder nicht so läuft.“ Denn auch diese Phasen gab es natürlich für Dallinger: „Es ist schwierig, über einen langen Zeitraum die Leistung immer oben zu halten. Deswegen ist das Umfeld wichtig, Freunde und Familie und ein wahnsinnig guter Stützpunkt, der einen motiviert, wenn es auch einmal nicht so läuft. Es ist immer schön, wenn man Erfolge feiert, aber umso wichtiger, wenn man eine Durststrecke hat und trotzdem diesen Rückhalt erfährt.“
Weiterführende Links
Weitere News zu "Bundesligafinale"
- Bundesliga Luftpistole: „Es wird spannend!“
- Bundesliga Luftgewehr: Viele Veränderungen in den Teams
- Bundesliga Luftpistole: Vorhang auf für die Saison 2025/26
- Bundesliga Luftpistole: Fünf Teams starten doppelt erfolgreich
- Bundesliga Luftgewehr: Los geht die Reise mit Ziel Rotenburg
- Bundesliga Luftgewehr: Spektakulärer Auftakt in Nord und Süd
- Bundesliga Luftpistole: Wer setzt sich oben fest, wer blickt nach unten?
- Bundesliga Luftpistole: Weil setzt sich in Final-Neuauflage wieder durch
- Bundesliga Luftgewehr: Gastgeber wollen mindestens einen Sieg
- Bundesliga Luftgewehr: Top-Teams mit überragenden Ergebnissen
- Bundesliga Luftpistole: Drei Gastgeber unter Siegzwang
- Bundesliga Luftpistole: Erfolgserlebnisse im „Keller“
- Bundesliga Luftgewehr: „Wir wollen den Titel im Auge behalten und angreifen“
- Bundesliga Luftgewehr: Ausrichter im Norden und Süden mit ähnlicher Ausgangslage
- Bundesliga Luftpistole: Spannung unten im Norden und oben im Süden
- Bundesliga Luftpistole: Dreimal 3:2 in Spitzen-Duellen
- Bundesliga Luftgewehr: Die Gastgeber benötigen Punkte
- Bundesliga Luftgewehr: Spitzenleistungen der Top-Schützen und -Vereine
- Bundesligafinale Rotenburg an der Fulda: Ticketverkauf ist gestartet
- Bundesliga Luftpistole: Erste Entscheidungen im Norden und Süden
- Bundesliga Luftpistole: Die ersten Finalisten stehen fest
- Bundesliga Luftgewehr: Erste Entscheidungen möglich
- Bundesliga Luftgewehr: Bund München ist der erste Finalist
- Bundesliga Luftpistole: Wer jubelt, wer ist frustriert?
- Bundesliga Luftpistole: Die acht Finalisten stehen fest
- Bundesliga Luftgewehr: Sieben Finalplätze noch zu vergeben
- Bundesliga Luftgewehr: Das Finalfeld steht
- Bundesliga Luftpistole: Berlin wegen Punktabzug als Nord-Vierter ins Finale
- Bundesligafinale Rotenburg: Die acht Pistolen-Teams
- Bundesligafinale Rotenburg: Es sind noch Rechnungen offen…
- Bundesligafinale Rotenburg: Zehn Begegnungen im Livestream
- Bundesligafinale Rotenburg: Doppel-Interview mit Neuling & Routinier
- Bundesligafinale Rotenburg: Internationale und deutsche Top-Stars sind dabei
- Bundesligafinale Rotenburg: Podcast mit Anna Janßen & Maxi Ulbrich
- Bundesligafinale Rotenburg: Die letzten Fakten & Zahlen
- Bundesligafinale Rotenburg: Die Goldfinalisten stehen fest
- Bundesligafinale Rotenburg: Kevelaer und Kelheim-Gmünd sind die neuen Titelträger
